"heute-show" ins Parlament : So viel Spaß darf sein

Die Reaktion des Bundestags auf die „heute-show“ verkennt Ursache und Wirkung. Und sie vergisst: Die Satiresendung ist das Klärwerk des Politikbetriebes. Ein Kommentar

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Oliver Welke ist der Klärwerker des Politikbetriebs.
Oliver Welke ist der Klärwerker des Politikbetriebs.Foto: ZDF

Könnte sein, dass zwei sich klammheimlich freuen. Zunächst die „heute-show“, weil sie im Bundestag nicht drehen darf. In gleicher Weise die Abgeordneten, weil die Bundestagsverwaltung der ZDF-Satiresendung keine Drehgenehmigung erteilt hat. Der Ruhm der öffentlich- rechtlichen Spaßfraktion wächst damit ins Unendliche, mehr Rückenwind geht gar nicht. Gleich wieder am Freitag einschalten! Oliver Welke und Gernot Hassknecht schleifen schon die Messer für die fällige Ganzkörperrasur.

Die Politiker tanzen im Plenarsaal Polka, endlich hat die Truppe um Bundestagspräsident Norbert Lammert mal gezeigt, dass nicht jeder dahergelaufene Fernsehclown mit den gewählten Repräsentanten des Volkes Schlitten fahren darf.

Nach einer nüchternen Verlust- und Gewinnrechnung gerät das Parlament ins Saldo. Spaßbremsen sind das, humorlose Gesellen, die dem Fernsehvolk sein Feierabendspäßchen nicht gönnen. Wer sich gegen die „heute-show“ wehrt, der wird beim nächsten Mal abgewählt! Wenn schon Politik, dann aber in der Kotauhaltung.

Die „heute-show“ fördert nicht die viel beklagte Politikverdrossenheit, sie nutzt sie nur aus. Eine Heerschar von Sendermitarbeitern scannt Tag für Tag Auftritte, Begegnungen und Reden der Politikerinnen und Politiker. Gerät Politik auf die Bananenschale, geraten die Fernsehwelkes in Verzückung, ja Raserei. Der Kommentar zum Ausrutscher im Ausschnitt ist gewollt unsachlich, unfair, die Gürtellinie sitzt knöcheltief. Parlament und Politik sind in der Verarbeitung durch die „heute-show“ nicht mehr und nicht weniger als ein „Quatsch Comedy Club“. Schlimm, schlimm, aber auch schädlich?

Das Bild von Politik und Politikern ist medial vermittelt. Und im ganzen Bild von Print, Hörfunk, Fernsehen und Online ist die „heute-show“ nur der freche Klecks, der Abräumer am späten ZDF-Freitagabend, sobald sich Politik und Politikinteressierte ins Wochenende verabschiedet haben. Vor jeder „heute-show“ gab und gibt es tonnenweise sachliche, kompetente und kritische Politik-Berichterstattung. Die „heute-show“ dient dann nur noch als Klärwerk für den Politikbetrieb. Das Publikum lacht und verlacht. Die Satiriker können dafür ausschließlich das ins Zerrbild setzen, was Politiker liefern. Was da zuweilen geliefert wird, macht selbst den gutwilligen Zuschauer fassungslos.

Zuerst ist die Politik verantwortlich für Politik, für das Getane, das Gesagte, das Gezeigte. Ihre Leistung ist die Basis für die Leistung der „heute-show“. Eine beleidigte Reaktion – und eine Nicht-Drehgenehmigung ist nichts anderes – verkennt Ursache und Wirkung. Die Stärke der Polemiker und Parodisten resultiert aus der Schwäche von Parlamentariern. Komisch bleibt komisch, unfreiwillig komisch ist noch lustiger. Jeder Schmerz darüber ist ein Phantomschmerz. Ehrlich: Wer es nie in die „heute-show“ schafft, der schafft es nie nach oben. Wer es dauernd in die Sendung schafft, der hat ein echtes Problem – auch ohne „heute-show“. Der sollte zum ZDF.

Politik drängt ins Alltags-, ins Leitmedium, ins Fernsehen. Wer ins Fernsehen will, der muss das Fernsehen im Bundestag zulassen. Zu „heute“ und „heute-journal“ gehört die „heute-show“. Oliver Welke wird nie und nimmer Angela Merkel – höchstens Rainer Brüderle.

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