Imam Abdul Adhim als Talk-Gast : Günther Jauch hat versagt

Ein Imam bei Günther Jauch verursacht viel Aufregung. Der Salafist, der Rechtsradikale - dürfen sie in die Talkshows? Na klar! Sie dürfen, sie sollen. Ein Kommentar.

von
Der Auftritt von Imam Abdul Adhim Kamouss (2. v.l.) erregte die Gemüter. Foto: dpa
Der Auftritt von Imam Abdul Adhim Kamouss (2. v.l.) erregte die Gemüter.Foto: dpa

Schämt er sich noch oder sendet er schon wieder? Günther Jauch hat nämlich versagt. Am Sonntag, in seiner ARD-Talkshow, mit dem Thema „Gewalt im Namen Allahs – Wie denken unsere Muslime?“. Überraschungsgast war Abdul Adhim Kamouss, Imam, Prediger in Berliner Moscheen. Gilt als Propagandist des Islamismus, wenn nicht des Salafismus. Keiner von den Guten im Land, vielleicht ein Böser. Der Iman redete alles und alle in Grund und Boden.

Jauch hätte ihn stellen müssen, entblößen, entlarven, umso mehr, als seine Gäste, von Wolfgang Bosbach bis Heinz Buschkowsky, im Schweigen resignierten. Alle Last beim Moderator, alle Schuld bei Günther Jauch. Er hat damit die Linie der Talkversager verlängert: Thomas Gottschalk mit dem Republikaner Jörg Schönhuber, Erich Böhme beim FPÖ-Rechtsaußen Jörg Haider, Claus Kleber bei Irans Staatspräsidenten, dem Israel-Hasser Ahmadinedschad. Gottschalk mal ausgenommen, gestandene Journalisten, Profis im Frage-und-Antwort-Spiel. Geeicht auf Sieg.

Aber die Gegenüber wollten so wenig wie der Imam mitspielen, aus den anklagenden Fragen Reue ableiten, Einsicht zeigen, kurz, von der einen Spielhälfte in die andere wechseln. Wollten sie nicht. Sie blieben Republikaner, Rechtsaußen, Israel-Hasser, Radikal-Prediger. Sagten es frank und frei in die öffentlich-rechtlichen Kameras. Die Anklagebank wurde zur Kanzel. Die Zuschauer haben gestaunt, die Kritiker waren empört. Wie leicht das doch ist, die selbstbewussten Heroen des Talkgeschäfts auszumanövrieren, aus treibenden Kräften getriebene Moderatoren-Darsteller zu machen.

Der Moderator muss nicht der Stellvertreter der richtig gläubigen Mehrheitsgesellschaft sein

Bei den meisten Studioterminen begegnen sich Vertreter der Mehrheitsgesellschaft im ritualisierten Für und Wider. Streiten heißt weglächeln, der Moderator erteilt den Wortsegen, Unterhaltung darf dabei sein. Toleranz ist ein Muss, sofern Minderheiten und Minderheitsmeinungen nicht längst aus dem Studio wegtoleriert wurden. Die Öffentlichkeit ist das, was öffentlich gesagt werden darf.

Bleibt der große Rest. Der Rechtsradikale, der Salafist. Dürfen sie in die Talkshows? Sie dürfen, sie sollen. Aber sie müssen auf Gesprächspartner treffen, die ihnen gewachsen sind. Nicht im Sinne von Sieg oder Niederlage, der Moderator muss nicht der Stellvertreter der richtig gläubigen Mehrheitsgesellschaft sein, der den Falschgläubigen in 45 Minuten aufzeigt, was sie Falsches glauben und wo gleichzeitig der Weg zu den wahren, den richtigen Überzeugungen ist. Nur so kann es kommen, dass Margot Käßmann öfters in Talkshows sitzt als Imam Abdul Adhim Kamouss.

Achtung! Dieser Autor fordert Fernsehbühnen für Salafisten und Rechtsextreme. Anderes ist gefragt: Formate wie „Vorsicht! Friedman“ und Formaterfüller wie Michel Friedman. Eisenhart bis zur Arroganz in der 1:1-Konfrontation bis auf die Knochen. Der Gast kann nicht ausweichen, der Moderator kann nicht ausweichen. Abarbeiten am Skelett von Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Michel Friedman war nie populär, sondern wurde nur bekannt. Günther Jauch ist populär, die Deutschen lieben ihn. Aber bei aller Liebe: Ein Nazi, ein Salafist braucht andere Talkmaster und andere Talkshowzuschauer.

Autor

55 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben