Vor der Bundespräsidentenwahl haben beide Kandidaten der großen politischen Lager versucht, sich mit wohlgefälligen Äußerungen zum Thema Integration ein etwas eigenes Profil zu geben. Christian Wulff war damit ein bisschen früher dran, Joachim Gauck zog nach, beide wurden von ihren Unterstützern in dieser Sache lobend erwähnt. Aber auf ihre jeweils eigene Weise haben die Kandidaten auch gezeigt, wie fremd ihnen das Thema eigentlich ist, und: wie fremd ihnen das eigentliche Thema ist.
Als Wulffs Kronzeugin trat Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan auf, die dem Kandidaten bescheinigt, „früher als viele andere auch Maßstäbe bei der Integration von Zuwanderern gesetzt“ zu haben. Sie spielte damit vor allem auf sich selbst an: Wulff hatte die Rechtsanwältin gerade zur ersten muslimischen Ministerin mit Migrationshintergrund in Deutschland gemacht, in seinem achten Jahr als Ministerpräsident. Für Gauck sprach die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann: Der Kandidat könne „einen Wahnsinnsbeitrag zur notwendigen Integration“ leisten, in Bezug auf Zugewanderte und „auch für die Menschen in beiden Teilen Deutschlands“. Wulff selbst sagte, das Tor von Mesut Özil beim Spiel gegen Ghana sei ein Beispiel gelungener Integration. Gauck erklärte, Furcht sei beim Thema Integration der falsche Ansatz.
So sieht es aus: Allerweltsworte, Hoffnungen, Fernsichten aufs eigene Land und Ausnahmekarrieren, die als Beleg für eine gelungene Politik herhalten sollen. Die Publizistin Saba Farzan hat sich am Dienstag in einem Beitrag für den Tagesspiegel über die deutsche „Internationalmannschaft“ gefreut und daraus abgeleitet, Migranten müssten zu deutschen Staatsbürgern gemacht werden – Subtext: dann wird das schon was. Am selben Tag veröffentlichte das Bundesamt für Statistik die neuesten Zahlen zum Thema: Im vergangenen Jahr bekamen 96 000 Ausländer einen deutschen Pass; das sind deutlich weniger als vor der Einführung des neuen Staatsbürgerschaftsrechtes im Jahr 2000 und auch weniger als in den Jahren danach. Deutschland hat damit im europäischen Vergleich eine der schlechtesten Einbürgerungsquoten, trotz Vorzeigeministerin, trotz Internationalmannschaft. Das ist für die Gesellschaft gefährlich, demographisch und ökonomisch. Ohne Zuwanderung, ohne junge und qualifizierte Migranten, sinkt die Zahl der Einwohner, steigt die Zahl der Rentner, schrumpft die Wirtschaft. Furcht ist beim Thema Integration also nicht etwa nur der falsche Ansatz, wie Gauck meint, sondern gar nicht das Problem.
Migranten, so sie es denn nach Deutschland geschafft haben, sehen sich eingeklemmt zwischen lautstarken Randgruppen von links und rechts, die ihnen entweder die Deutschland-Fahne vom Balkon reißen oder mangelnde Intelligenz unterstellen. In der breiten Mitte aber mäandert eine Islamkonferenz und regiert die Ratlosigkeit, während das Land sich hinter bürokratischen Mauern verschanzt und hofft, dass nicht nur Angehörige mit Aussicht auf Sozialhilfekarriere nachziehen. Was fehlt, ist nicht ein IQ-Test für Zuwanderer, wie einige fordern; was fehlt, sind intelligente Ideen, wie um hochqualifizierte Zuwanderer geworben werden kann.
Die Özkans und Özils mögen gute Beispiele sein für gelungene individuelle Integration. Solange aber die Politik Karrieren wie diese derart betont, zeigt sie damit nur, wie weit sie vom eigentlichen Ziel noch entfernt ist: der Selbstverständlichkeit solcher Karrieren.
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31 Kommentare
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Worin
besteht die Integrationsleistung eines Özils? Der elaborierte Sprachcode kann es nicht sein. Wo wäre Özil wohl gelandet, hätte der liebe Herrgott ihm kein Talent für das Runde in die Wiege gelegt?Ich sag's Ihnen...
...er sorgt für ein ganz neues "Wirgefühl" zwischen Deutschen und Türken. Ein großartiger Beitrag für unsere Gesellschaft. Worin besteht denn Ihr Beitrag, außer u. U. einwandfrei deutsch zu sprechen?Die Frage
ist wielange derlei "Wir-Gefühl" anhält? Meine Befürchtung ist, dass nach der WM alles wieder vorbei sein wird. Dass wieder die "Problemfälle" in den Vordergrund der medialen Berichterstattung rücken.Es gibt zig Beispiele für gelungene Beispiele für gelungene Integration in Deutschland, dazu bedarf es keines Fussballers.
Worin mein Beitrag zur Integration besteht? Ich arbeite seit Jahren mit den Jugendlichen zusammen, die nicht das Glück hatten, Fussballer zu werden, die seit Jahren in Deutschland zu hören bekommen, dass sie "Ausländer", "Gäste" sind, einer Kultur angehören, die inkompatibel zur deutschen Kultur ist, die man am liebsten gerne wieder in ihre vermeintliche Heimat zurückverfrachten würde...
Integriert
Stimmt. Am besten gefällt mir das Beispiel des arabischstämmigen Großfahnenschwenkers in Neukölln, Youssef Bassal, dem sogar die Junge Freiheit einen Artikel unter der Überschrift "Wir werden die deutsche Fahne verteidigen" widmet.
Da kommt alles zusammen: Nationalismus, Sendungsbewußtsein und Größenwahn. Deutscher gehts nicht mehr!
Das ist doch...
...mal 'ne Antwort. Trotzdem finde ich die Äußerung Özil gegenüber nicht ganz fair. Es wird übrigens etwas hängen bleiben - Özil wird weiter für Deutschland spielen - und uns weiter begeistern...Vielleicht möchte ich kein "Wirgefühl"
mit Türken, Mir reicht ein "Wirgefühl unter Deutschen". Und diese Deutschen dürfen von mir aus auch einen Migrationshintergrund haben. Wenn das so läuft, dann klappt es auch mit dem Nachbarn.Solange man
Staatsbürgerschaft an den ökonomischen Status eines Migranten koppelt, wird sich an den niedrigen Zahlen rein garnichts ändern. Deutscher wird nur derjenige, der nicht auf Hartz IV oder ähnliches angewiesen ist.Felixar
Was ja auch völlig richtig ist.Die deutsche Staatsbürgerschaft kann es auch nicht "geschenkt" geben.... oder zum Billigpreis beim Discounter...
Na klar,
und was haben SIE dafür getan, die Staatsbürgerschaft zu erhalten?Die haben deutsche Eltern, welch eine Leistung!
Nun...
um hochqualifizerte Migranten wirbt man sicherlich nicht mit Schulen mit 50% oder mehr Migrantenhintergrund und 80% Schülern mit bildungsfernen Hintergrund. Um hochqualifizierte Migranten wirbt man nicht mit orbitanten Steuern- und Abgabequoten für entsprechend dann auch verdienende Menschen. Um hochqualifizierte Migranten wirbt man nicht indem man ihnen sagt, diese sollen für die Rente der Deutschen aufkommen die es nicht mehr schaffen selbst für Kinder zu sorgen und diese zu qualifizieren. Und ganz sicher wirbt man nicht um hochqualifizierte Migranten indem man gering Qualifizierte Bildungs- und Potentialarme nach Deutschland holt.Man wirbt nicht um hochqualifizierte Migranten in denen man ihnen sagt, dass sie hier die Probleme lösen sollen. Tut mir Leid Herr Maroldt, aber hier verfolgen Sie ebnefalls einen völlig falschen Ansatz. Die Probleme, die werden wir selbst lösen müssen.
Übrigens auch solche Probleme wie Frau Löhmann, die immer noch "zwei Teilen" Deutschlands spricht und einem Niedersachsen implizit abspricht, auch für Sachsen und Mecklenburg ein Bundespräsident mit Einfluss auf die Migrationsfrage zu sein. Das ist echt ein "Wahnsinnsbeitrag". Wer so für die innerdetusche Integration steht, der ist wirklich hochqualifiziert für die Integration im ganz breiten Maßstab. Peinliche Äußerung der Dame.
Deutsches Hollywood
Der Grund warum die USA als Wunschland von Arbeitern und Intelligenstia aus aller Welt begehrt ist liegt auf der Hand.Die Amis produzieren seit mehr als 70 Jahren Traumbilder aus der Traumfabrik namens Hollywood. Eine Art Werbekampagne im wichtigsten Kulturgut, dem Film.
Deutschland hat seit mehr als 60 Jahren keine Filme von seiner Schönheit, von seinem Geist, von seiner Potenz abgeliefert. Zumindest nicht auf internationalem Niveau.
Der Sehnsuchtsort Deutschland existiert nicht auf diesem Globus, es gibt auch Niemanden auf der Welt der weiß wie Deutschland (filmisch) aussieht. Noch nicht einmal die Deutschen selbst.
Abhilfe: Die Hälfte der dt. Theater gehören geschlossen. Das verfügbare Geld kommt der Filmproduktion zugute.
Mit einem attraktiven Bild im Kulturgut Film dürften die hochqualifizierten der Welt Schlange stehen um nach Deutschland einwandern zu dürfen. Es dürfte auch ein leichtes sein so allein die Tourismuszahlen zu verdoppeln.
Metoeken
Ich wuerde mich freuen, wenn uns nicht gebetsmuehlenartig erzaehlt wuerde, dass Einwanderung unumgaenglich ist. Das ist pure Ideologie, wo man sich fragt, welches Interesse dahinter steht.Ich wuerde mich ueber Politiker freuen, die versuchten, die originaere Kraft des deutschen Volkes zu staerken.
Und nein, ich bin kein Rassist, ich bin sogar mit einer Auslaenderin verheiratet. Ich stelle nur ein paar Fragen, hoffe, das ist noch erlaubt
Der Intelligenztest!
Ein Intelligenztest erwiese sich meiner Meinung nac im Endeffekt als verdrießlich. Was trüge sich zu, wenn überdurchschnittliche Migranten intelligenter als unsere Führungsklasse wären? ( hierunter meine ich ebenfalls Medienhingucker wie Herrn Jauch, Herrn Gottschalk oder Cindy von Marzahn)
Was sind "ueberdurchschnittliche" Migranten?
Und wen wuerde es stoeren wenn Migranten intelligenter waeren als Herr Jauch oder Herr Gottschalk (auser den beiden Herren vielleicht)?Was verstehen Sie unter "Fuehrungsklasse"? Und ganz gleich was Sie darunter verstehen, wie in Herrgotts Namen kommen Sie darauf die Herr Jauch und Gottschalk dazu zu zaehlen?
Intelligente Ideen
"Es fehlen intelligente Ideen, wie um hochqualifizierte Zuwanderer geworben werden kann."Eine hätte ich schon: Indem man dafür sorgt, dass es sich für sie lohnt. Aber weil Deutschland so ungemein neoliberal ist, lohnt es sich um so mehr hier einzuwandern, je weniger qualifiziert man ist.
Genau!
Warum sollte ein qualifizerter Zuwanderer ausgerechnet nach Deutschland kommen, wenn er doch anderswo viel besser verdienen und leben kann?Franko
Schauen Sie sich mal weltweit um.....So ganz schlecht sind die Bedingungen in unserem Land nicht.
Klar gibt es immer noch Staaten in denen es um den Lebensstandard noch besser bestellt ist.... die können Sie aber an zwei Händen abzählen...
Naja,
das wären dann immer noch 10 Staaten die Deutschland vorzuziehen sind und qualifizierte Zuwanderer haben ja die Wahl.
Eigentlich ...
...möchte man doch nur (besonders?) Tüchtige ins Land holen - die einfach nur in der Lage sein sollten, etwas mehr für ihr Land zu tun als nur Alimentationen abzugreifen!* (Sorry!)Da man (legale!) T ü c h t i g k e i t aber einfach nicht messen und testen kann, wird nach einer ultima ratio in dieser Beziehung gesucht - nicht mehr und nicht weniger ist doch die Forderung nach einem Intelligenz-Test eigentlich auch nur...
Und dass dadurch bei weitem nicht alle Probleme D.´s gelöst werden können, ist glaube ich auch jedem klar!
*J.F.Kenndy: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann - frage, was du für es tun kannst...(oder so ähnlich)- das sollte doch eine Maxime auch in D sein!
(Gilt natürlich auch für Politiker, Banken, Investmentbanker usw... Mit der momentanen "Lobbykratur" geht früher oder später wahrscheinlich eh alles den Bach runter!)
Wer integriert sich?
Um beim Beispiel Özil zu bleiben:Aus Liebe zum deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil ist dessen Freundin Anna-Maria Lagerblom zum Islam übergetreten. Das bestätigten beide der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. Der 21-jährige türkischstämmige Bundesligaprofi vom SV Werder Bremen und die 28-jährige Schwester von Popsängerin Sarah Connor sind seit vergangenem Sommer ein Paar. Nach "Bild"-Informationen konvertierte Anna-Maria in einer "kleinen, sehr privaten Zeremonie" und nahm dabei den neuen Namen Melek (übersetzt: Engel) an.
Es stellt sich also die Frage:
Wie sieht Integration im realen Alltag aus und wer integriert sich wie in welche Gesellschaft?
Gesellschaft ausschliesslich an
Religionszugehoerigkeit festzumachen greift mir einfach zu kurz. Man muss auch als Deutscher Staatsbuerger Moslem sein koennen ohne, dass man gleich als integrationsunwillig eingestuft wird.matzeb2007
Es geht nicht allein um Religionszugehörigkeit.Es geht um das was hier gerade kulturell stattfindet...
Der Weg den Anna-Maria geht um Melek zu werden, gehen nicht wenige...
Umgekehrt höre ich so gut wie nie, dass ein Cem zum Hans wird und den kath., evang. Glauben annimmt oder ganz offiziell seinen Atheismus erklärt.
Fazit: so mancher Einheimische integriert sich in die Zuwanderergesellschaft....
Da darf man schon mal fragen, bei allen individuellen Wahlfreiheiten, ob das eine Entwicklung ist die wir uns genauso vorgestellt haben....
Es geht jetzt natürlich nicht allein um die Protagonisten die ich zufällig ausgewählt habe. Es geht um das Prinzip das dahinter steht.
OK, ich verstehe ihren Einwand,
aber ich denke trotzdem, dass man dabei nicht uebersehen darf, dass in Laendern muslimischer Praegung die Religion einfach einen viel hoeheren Stellenwert hat, als z.B. das Christentum im modernen Deutschland, da ist es logisch, dass der eher nicht-religioese Partner die Religion des religioesen Partners annimmt als umgekehrt.Also, um bei ihrem Beispiel zu bleiben, hat Anna-Maria vielleicht noch nie eine Kirche von innen gesehen und war an Religion einfach nicht interessiert und sich jetzt aus Liebe zu einem Moslem dazu entschlossen dem Islam beizutreten. Der umgekehrte Weg waere dann einfach nicht logisch! Daraus kann man aber noch nicht schliessen, dass die Oezils fortan streng religioes nach dem Koran leben werden bzw, dass im Hause Oezil die tuerkische Kultur im Vordergrund steht. Religion ist hierbei, wie gesagt, ja nur ein Aspekt unter vielen.
matzeb2007
Es geht mir nicht um die Özils persönlich.Wobei ich als Vater schon sehr sauer wäre wenn meine Kinder andere Vornamen annehmen würden als jene die sie bekommen haben und die ein Zeugnis ihrer Herkunft ablegen.
Wenn man Ihre logischen Schlußfolgerungen weiter verfolgt.... dann wird das über kurz oder lang, zumindest wenn ein Partner dem Islam angehört, zu was führen?
Genau zu einer Dominanz einer Religion in diesen Partnerschaften und das wird unsere Gesellschaft womöglich langfristig in eine Richtung verändern die weder Sie noch ich für gut befinden.
Wobei ich natürlich nicht weiss was Sie persönlich gut finden und was nicht.
Religionsfreiheit bedeutet für mich auch frei von Religion sein zu können und eben auch aus seiner Religion austreten zu können. Das ist im Islam nicht vorgesehen.
Und darin sehe ich eine gewisse Unvereinbarkeit mit unseren Werten, Regeln und Gesetzen.
sorry, aber
wenn meine 28jährige Tochter, Mutter eines Sohnes aus einer vorehelichen Beziehung und Nochehefrau eines skandinavischen Fußballspielers wegen eines 21jährigen zum Islam konvertierte, würde ich sie unter Vormundschaft stellen lassen.