IPCC-Bericht zum Klimawandel : Deutschlands Energiewende als Modell für die Welt

Der Klimawandel kommt, die einzige Frage ist wann. Wichtig ist jetzt, dass Deutschland Klima-Vorbild bleibt - und die Energiewende vorantreibt. Ausgerechnet das viel gescholtene China spielt da eine interessante Rolle.

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Es wird heiß. Trotz der vergleichsweise vorbildlichen Klimabilanz Deutschlands.
Es wird heiß. Trotz der vergleichsweise vorbildlichen Klimabilanz Deutschlands.Foto: DPA

Dürren und Fluten, Artensterben und Seuchen, Hungersnöte und Vertreibung – keine der Prognosen im neuen Bericht des Weltklimarates über die Folgen eines ungebremsten Klimawandels ist wirklich neu. Aber die Botschaft der geballten Expertise von gut 2000 Wissenschaftlern aus 154 Ländern ist umso härter. Es wird kein Entkommen geben. Es gibt keine Zweifel mehr am Ob, sondern nur noch am Wie der katastrophalen Umwälzungen, die unseren Nachfahren drohen, wenn es nicht gelingt, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu mindern.

Das betrifft den ganzen Planeten. Und gemessen daran sind die Vorgänge im kleinen Deutschland rein physisch unbedeutend. Was immer die Deutschen bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas einsparen, wird bis auf Weiteres allein der Zubau von Kohlekraftwerken in China mehr als ausgleichen.

Doch die oft verbreitete Schlussfolgerung, darum könnte sich unser Land anspruchsvolle Klimaziele und die Energiewende sparen, ist kurzsichtig und falsch. Denn Deutschland ist bisher der einzige große Industriestaat, der wenigstens versucht, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, ohne der Welt dafür das Risiko von Atomkatastrophen aufzuzwingen.

Würde es hierzulande gelingen, ohne Wohlstandsverluste die Energieversorgung auf saubere Quellen und weniger Verbrauch umzustellen, dann wäre das ein Modell, dem die Welt folgen könnte. Im ersten Schritt ist das schon gelungen. Gerade weil es die Deutschen gewagt haben, den privaten Bau von Solarstromanlagen zu fördern, sind diese nun so billig, dass sie dazu genutzt werden können, zig Millionen Menschen in den Armutsländern erstmals mit Strom zu versorgen, für den kein Dieselöl verbrannt wird.

Auch China strebt eine "nachhaltige Entwicklung" an

Und gerade weil Deutschland bei der Produktion von sauberem Strom so viel erreicht hat, wurde ausgerechnet das viel gescholtene China zum größten Nachahmer und betreibt schon jetzt ein Viertel aller Windkraftanlagen der Welt. Nicht zufällig versprach Chinas Präsident Xi Jinping daher jetzt beim Staatsbesuch, seine Regierung strebe eine „nachhaltige Entwicklung“ an, weil es die Grenzen des Planeten erfordern. Dabei setze sie aber auf die Partnerschaft mit Deutschland.

Vor diesem Hintergrund reicht die Verantwortung der deutschen Regierenden bei diesem Thema weit über die nächsten Wahlen hinaus. Gerade jetzt gilt es zu demonstrieren, wie Deutschland den nächsten Schritt bewältigt: die Versorgung zu sichern, auch wenn die Erzeugung aus Wind und Sonne schwankt. Die Konzepte dafür stehen bereit und reichen vom virtuellen Kraftwerk über die gesteuerte Nachfrage bei Großverbrauchern bis zur Speicherung in den Stauseen Norwegens.

Unbezahlbarer Ökostrom ist eine plumpe Propagandalüge

Angela Merkel, die sich 2007 noch als „Klimakanzlerin“ feiern ließ, weiß das auch. Das Gleiche gilt für ihren Vize Sigmar Gabriel, der einst als Umweltminister ein lautstarker Anwalt für den Klimaschutz war. Umso bestürzender ist, dass beide nun dem Druck der alten Energieindustrien nachgeben und ohne Not den Umbau der Energieversorgung ausbremsen wollen. Dabei ist die Behauptung der Lobbyisten von gestern, der Ökostrom werde unbezahlbar, eine plumpe Propagandalüge.

Tatsächlich bezieht die deutsche Industrie ihren Strom so billig wie seit zehn Jahren nicht. Zugleich weigern sich die meisten Versorger, die niedrigen Einkaufspreise für Strom an die Verbraucher weiterzugeben, um mit den überhöhten Erlösen ihre Fehlinvestitionen in überflüssige Kraftwerke zu vertuschen. So produzieren sie Strom aus importierter Steinkohle zu Dumpingpreisen für den Export und treiben die Emissionen in die Höhe, während sie bei ihren Haushaltskunden Höchstpreise kassieren.

Folglich käme es jetzt darauf an, mit harten Emissionsgrenzwerten und Wettbewerbskontrollen dagegen vorzugehen sowie gleichzeitig die Netze und deren Betreiber zukunftstauglich zu machen. Wenn die Regierung Merkel stattdessen den Saboteuren der Energiewende nachgibt, verbaut sie nicht nur der deutschen Wirtschaft eine große Chance. Sie zerstört auch eine wichtige Hoffnung für den Rest der Welt.

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