Joseph Kennedy III. : „Jeder soll eine faire Chance bekommen“

Heute sitzt kein Kennedy mehr im Kongress. Das hat es seit 64 Jahren nicht gegeben. Mit diesem Familienerbe - und auch gegen dieses Erbe - tritt nun der Enkel von Robert Kennedy an. Ein Porträt.

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Joseph Kennedy III.
Joseph Kennedy III.Foto: reuters

Er wirkt noch jung für die nationale Politik und sieht mit der blassen Haut und den roten Locken nicht ganz so gut aus, wie man das männlichen Trägern des Namens Kennedy nachsagt. Doch Attraktivität ist Geschmackssache, und begrenzte Lebenserfahrung war in dieser Familie noch nie ein Hindernis für höchste Ämter. Großvater Robert F. Kennedy war mit 35 Jahren bereits Justizminister, Großonkel JFK wurde mit 29 Jahren in den Kongress und mit 43 Jahren zum Präsidenten gewählt.

Für einen kritischen Bürger in Massachusetts könnte es so aussehen, als leite Joseph P. Kennedy III. schon aus seiner Familienzugehörigkeit das Recht auf einen Parlamentssitz ab. Der 31-Jährige kennt sowohl die Gefahren als auch die Anziehungskraft, die sich aus dem berühmten Namen ergeben. Seine Tante Caroline, das einzige noch lebende Kind von JFK, musste 2009 ihre Ambitionen auf den Senatssitz von New York, der durch Hillary Clintons Ernennung zur Außenministerin frei geworden war, aufgeben. Ihren Gegnern war es gelungen, die Rechtsanwältin und Bildungsexpertin so darzustellen, als habe sie keine andere Qualifikation vorzuweisen als ihren Namen.

Andererseits erleben die USA eine ungewöhnliche Phase. Seit Patrick Kennedy 2008 seinen Sitz aufgab und Senator Ted Kennedy 2009 an einem Gehirntumor starb, sitzt kein Kennedy mehr im Kongress. Das hatte es in den 64 Jahren zuvor nicht gegeben. Zeit also für die nächste Generation.

Joseph P. Kennedy III. hat seinen Einstieg in die Politik geduldig vorbereitet. Er hat an den besten Universitäten studiert, in Stanford und dann Jura in Harvard. Zwei Jahren förderte er für das „Peace Corps“ umweltfreundlichen Tourismus in der Dominikanischen Republik. Die jüngsten Jahre war er regionaler Staatsanwalt in Massachusetts. Als sich 2010 die Chance bot, für das Abgeordnetenhaus zu kandidieren, lehnte er ab. Er ahnte wohl, dass dies angesichts des Aufstiegs der Tea Party kein guter Zeitpunkt für einen Demokraten war.

2012 wird der Sitz im Kongresswahlkreis frei, den der bisherige Inhaber Barney Frank, ein linker Demokrat, seit 1980 verlässlich gewonnen hat. Er beendet seine Karriere, nachdem er die nach ihm und einem Senatskollegen benannte Reform der Finanzaufsicht, den Dodd-Frank-Act, durch das Parlament gelotst hat. „Amerikas Gründung“, begründet Kennedy seine Kandidatur, „basiert auf der Idee, dass jeder eine faire Chance bekommt. Heute ist das nicht der Fall.“

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