Kontrapunkt : Gauck ist Merkels Meisterwerk
20.02.2012 07:34 UhrOh ja, mein ist die Rache, spricht Angela Merkel. Der Schalk sitzt ihr im Nacken, und sie lacht sich ins Fäustchen. Joachim Gauck als Bundespräsident! Das ist genial. Und ein Triumph. Dass nun der eine oder andere denken mag, sie hätte vor zwanzig Monaten aufs falsche Pferd gesetzt, sei reumütig und klein – geschenkt.
Gauck ist Merkels Meisterwerk. Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte. Überdies kann die Kanzlerin, die geschickt die Legende hatte verbreiten lassen, bis zum Schluss quasi gegen ihn gewesen zu sein, ihr Hände, bei allem, was passiert, in Unschuld waschen.
Geschichte kann so köstlich sein.
Erinnern wir uns: Nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler war damals zunächst die Springer-Presse („Welt“) mit dem Namen Gauck vorgeprescht, gefolgt von „Spiegel“ und „Faz“. Dann sprang Jürgen Trittin auf den fahrenden Zug, gefolgt von Sigmar Gabriel. Gemeinsam brachten sie Merkel in die Bredouille: Soll sie, trotz eigener Mehrheit in der Bundesversammlung, dem Vorschlag der Opposition folgen? Sie entschied sich, um diese Peinlichkeit zu vermeiden, für Christian Wulff. Das war ein Fehler, wie man heute weiß.
Doch jetzt macht sie diesen Fehler nicht nur rückgängig, sondern quält gleichzeitig die Opposition. Denn SPD und Grüne kommen von Gauck nicht mehr runter. Das wissen sie auch, jedenfalls tun sie so, obwohl den Öko-Sozen bei dem bloßen Gedanken an die erste große Rede des konservativen, freiheitsliebenden, tiefgläubigen Antikommunisten die Beine vor Panik schlackern und ihnen der kalte Schweiß übers Gesicht läuft. Sie hatten es ja damals gar nicht ernst gemeint, wollten nur Merkel ein bisschen piesacken. Insgeheim wussten sie immer, dass Gauck zu ihnen passt wie Sprengstoff zum Zünder.




























