Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein - da müssen die Oppositionspolitiker jetzt durch.

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Kontrapunkt : Gauck ist Merkels Meisterwerk
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Nun fliegt der Bluff auf, Merkel sei Dank. Und Gabriel und Trittin lernen am eigenen Leib die Weisheit des Sprichworts kennen: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Im vergangenen Oktober, als weltweit Hunderttausende gegen die Macht der Märkte auf die Straßen gingen und die Bewegung „Occupy Wall Street“ von sich Reden machte, trat Gauck bei einer Veranstaltung der „Zeit“ in Hamburg auf. Die Antikapitalismusdebatte sei „unsäglich albern“, sagte er, sprach von „Irrtum“ und „romantischen Vorstellungen“. Mit Blick auf die Demonstrationen gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 warnte er vor einer Protestkultur, „die aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht“. Auch den Ausstieg aus der Atomkraft nach Fukushima sah er kritisch. Solche Entscheidungen dürfe man nicht von der „Gefühlslage der Nation“ abhängig machen. Die deutsche Neigung zu Hysterie und Angst sei „abscheulich“.

Ja, so kennt man den Pastor und Bürgerrechtler. Gauck beklagt sich über „eine vor 20 Jahren nicht vorstellbare antikapitalistische Welle in Deutschland“, steht als Transatlantiker stets eng an den Seiten der USA, setzt sich für die Vertriebenen und den Afghanistankrieg ein, schimpft auf die Montagsdemos gegen Hartz IV („töricht und geschichtsvergessen“), sagt nach der Finanzkrise: „Wer ausgerechnet der Wirtschaft die Freiheit nehmen will, wird mehr verlieren als gewinnen“, und zur Integrationsdebatte: „Es gibt Viertel mit allzu vielen Zuwanderern und allzu wenigen Altdeutschen“. Thilo Sarrazin attestierte er im übrigen viel Mut.

Das sind doch eindeutig prägnantere Formulierungen als „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Da sage noch jemand, die Bundespräsidentenposse sei beendet. Sie fängt gerade erst an! Und sie fängt an, richtig interessant zu werden.

(siehe vom selben Autor auch den zum Teil wortidentischen Kommentar auf www.theeuropean.de)

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