Kritik an offiziellen Zahlen : Die wahre Dimension der rechtsextremen Gewalt

Ohne den NSU-Schock hätte die Bundesregierung keine umfangreichen Recherchen zu Straftaten veranlasst, die teilweise schon lange zurückliegen. So kommt nun offenbar doch noch die reale Dimension rechtsextremer Kriminalität ans Licht.

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Seit der Wiedervereinigung haben 152 Menschen infolge rechter Gewalttaten ihr Leben verloren.
Seit der Wiedervereinigung haben 152 Menschen infolge rechter Gewalttaten ihr Leben verloren.Fotos: dpa (6), privat (4), Polizei, Getty

Noch sind die Untersuchungen nicht abgeschlossen, doch schon die bisherigen Erkenntnisse sind erschreckend. Dass Experten der Polizei bei 746 Tötungsverbrechen seit der Wiedervereinigung Anhaltspunkte für ein möglicherweise rechtes Tatmotiv entdeckt haben, scheint die Kritik an den bisher bekannten, offiziellen Zahlen zu bestätigen.

Bisher hatten Meldungen von Polizei und Bundesregierung suggeriert, dass zwischen 1990 und 2011 insgesamt 63 Menschen von rechtsextremen Tätern getötet wurden. Diese Erhebung ist nun wohl Makulatur. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, musste allerdings erst eine rechtsextreme Terrorgruppe auffliegen.

Das mag makaber klingen, doch es ist kaum zu bestreiten: Ohne den NSU-Schock hätte die Bundesregierung keine umfangreichen Recherchen zu Straftaten veranlasst, die teilweise schon lange zurückliegen. So kommt nun offenbar doch noch die reale Dimension rechtsextremer Kriminalität ans Licht. Dafür sind Regierung und Polizei zu loben. Anzukreiden ist ihnen aber auch, dass die Bevölkerung jahrzehntelang über das Ausmaß mörderischer rechter Gewalt getäuscht worden ist. Vielleicht ist das jetzt endlich vorbei.

Eine Dokumentation des Tagesspiegels und der "Zeit" mit einer interaktiven Grafik findet sich hier.

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