• Lehren aus dem letzten Jahr: Euro, NSA, Arabische Welt: Was wir 2014 besser machen müssen

Lehren aus dem letzten Jahr : Euro, NSA, Arabische Welt: Was wir 2014 besser machen müssen

Die Euro-Rettung hat die Union gespalten, die NSA-Affäre hat viele Illusionen über die digitale Welt zerstört und der arabische Frühling hat gezeigt, dass Freiheit und Demokratie von außen nicht befördert werden können. Nur welche Lehren ziehen wir daraus?

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Merkel gleich Hitler? Demonstranten in Zypern im Zuge des Euro-Rettungsfonds.
Merkel gleich Hitler? Demonstranten in Zypern im Zuge des Euro-Rettungsfonds.Foto: dpa

Starke Gefühle würden verletzt, schrieb Sigmund Freud, als er die drei Kränkungen der Menschheit charakterisierte: Seit Kopernikus ist die Erde nicht mehr der Mittelpunkt des Kosmos. Seit Darwin ist der Mensch ein Teil der Evolutionsgeschichte. Und seit Freud weiß der Mensch, dass selbst „das Ich nicht Herr ist in seinem eigenen Haus“. Kränkungen, die unverarbeitet bleiben, machen krank. Doch wie jede Enttäuschung zum Ende einer Täuschung führt, können aus Kränkungen auch Einsichten werden. Das geht nicht ohne Verleugnung, Wut und Widerstand. Aber es geht.

Alles rächt sich, zumal in Gelddingen.

Die drei schmerzhaftesten Kränkungen des Jahres 2013 waren der Euro-Rettungsfonds, die NSA-Affäre und der Arabische Frühling. Der Euro-Rettungsfonds spaltete die Union, die sich lange Zeit in der Illusion einer allein durch Brüssel und Währung gestifteten Einheit wiegte, in Geber und Nehmer, anständige und unanständige Haushälter, Verschwender und Geizhälse. Angela Merkel in Pickelhaube oder mit Hitler-Bart, faule Griechen, die am Strand liegen. Den Menschen in Irland, Spanien, Portugal, Griechenland und Zypern blieb nur ohnmächtiger Zorn, der sich als Autoaggression auf den Straßen entlud oder als Dauervorwurf fehlender Empathie gegen Brüssel und Berlin richtete.

Die Lehre: Alles rächt sich, zumal in Gelddingen. Eine gemeinsame Währung kann Einheit weder begründen noch stiften, sie kann ihr weder vorauseilen noch sie ersetzen. Jetzt ist es zu spät. Was falsch begonnen wurde, muss in eine weniger falsche Richtung gelenkt werden. Kein Ende von Ach und Krach, Ächzen und Krächzen.

Jeder ahnt, dass sich die Privatsphäre im digitalen Raum kaum wirksam schützen lässt.

Die NSA-Affäre hat, zweitens, viele Illusionen über die digitale Welt zerstört. Globale Vernetzung, neue Kommunikationsräume, Explosionen demokratischer Teilhabe. Nein, Amerika macht eiskalt vor, was morgen China und übermorgen Russland eiskalt nachmachen. Netzaktivisten, Völkerrechtler und Schriftsteller sind empört, aber jeder ahnt, dass sich die Privatsphäre im digitalen Raum kaum wirksam schützen lässt.

Die Sehnsucht nach diesem Schutz ist groß, die Hoffung darauf unrealistisch geworden. Keine Datenpolizei fängt die Schnüffler. Wo Anarchie herrscht, setzt sich der technologisch Überlegene durch. Zwischen Verschlüsselung und Entschlüsselung wurde ein ewiger Wettlauf in Gang gesetzt. Und wer die Fähigkeiten der eigenen (nationalen) Abwehr stärkt, stärkt auch die (potenziellen) Fähigkeiten zum Angriff. Um Amerika Paroli bieten zu können, muss Europa im digitalen Sinne amerikanischer werden. Ein Teufelskreis.

Westliche Werte sind durch Gewalt nicht exportierbar

Drittens, der Arabische Frühling. Ägypten, Libyen, Syrien: Alle drei Beispiele zeigen, dass Freiheit und Demokratie von außen nicht befördert werden können. Finanzhilfen haben den Putsch der ägyptischen Generäle gegen die inkompetenten, aber durch Wahlen legitimierten Muslimbrüder nicht verhindert. Militärische Intervention hat den Zerfall Libyens beschleunigt, während Passivität den Bürgerkrieg in Syrien eskalieren ließ. Dass westliche Werte durch Gewalt nicht exportierbar sind, wissen wir seit Afghanistan- und Irakkrieg. Nun reift die Einsicht, dass selbst ein friedlicher Import im Nahen Osten eher miss- als gelingt.

Drei Kränkungen, vier Einsichten. Hier die vierte: Klüger werden durch die Geschichte macht keinen Spaß.

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