Leserbriefe : Duisburg lebt ohne Klischees besser

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Betrifft: „Stahl, Staublunge und Schimanski“ vom 25. Mai 2004

Ohne Frage geht es Duisburg nicht besonders gut. Und die Nachrichten in diesem Jahr zeugen tatsächlich von großen Schwierigkeiten, Duisburg mit Perspektiven und aufrecht in die Zukunft zu führen. Die Schließung des Bergwerks Walsum bedeutet für den Arbeitsmarkt der Stadt einen empfindlichen Rückschlag und für die betroffenen Menschen einen schmerzhaften Schicksalsschlag. Der mühsame und fast aussichtslose Weg, zehntausende in der Montanindustrie weggefallene Jobs zu kompensieren, wird in Duisburg trotzdem gegangen – oft einen Schritt vor und zwei wieder zurück. Das macht manchmal müde, aber nicht fatalistisch.

Esther Kogelboom hatte ja alle Chancen, ihre Zeit in Duisburg auch mit dem Thema Strukturwandel auszufüllen. Sie hat sich umgeschaut und schreibt über das neue und sehr erfolgreiche Kindermuseum Atlantis am Innenhafen, es werde „hauptsächlich von Kindern aus anderen Städten besucht“. Der Grund: Duisburg habe ja so wenig Kinder. Tatsache ist, dass von den 110 000 Besuchern seit Januar die meisten aus Duisburg stammen – ein Anruf beim Museum hätte ihr das klar gemacht.

Leider gibt es noch weitere Schwachstellen in der Recherche: Im Hüttenwerk Meiderich, das zu einem einzigartigen Landschaftspark mit internationaler Ausstrahlung umgebaut wurde, wurde nie Stahl produziert – sondern Roheisen der gehobenen Qualität (ein Sakrileg für die ehemaligen Mitarbeiter!). Die Duisburger Disco-Szene besitzt zwar die beiden genannten Dinosaurier, aber freut sich über weitaus lebendigere und bekanntere „Enkel“ wie das „Pulp“.

Mir geht es nicht darum, ein geschöntes Bild der Stadt zu propagieren. Aber der Blick auf die Realität wird in der Reportage durch Oberflächlichkeit der Recherche und durch klischeehafte Versatzstücke in einigen Facetten verzerrt.

Frank Kopatschek, Leiter des Presse- und Kommunikationsamtes der Stadt Duisburg

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