Leserbriefe : Muss Rauchen in der Öffentlichkeit verboten werden?

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„Wenn einer raucht“ vom 29. Juni und

„Ganz realistisch“ vom 4. Juni 2006

Die gegenwärtige Debatte zum Thema Rauchverbot scheint mir ziemlich geprägt von der Schadenfreude der Nichtraucher und von der Hoffnung auf einen erbarmungslosen Ausschluss der Raucher, und dass ist fast ein Drittel der Bevölkerung, aus der Öffentlichkeit. Mit Recht hat der Autor in seinem erfreulich liberalen Leitartikel vom 4. Juni auf die inhumanen, ideologischen und widersprüchlichen Aspekte dieser Kampagne hingewiesen. Das Leben in Großstädten bringt es nun einmal mit sich, dass man als störend empfundene Aktivitäten seiner Mitbürger in immer neu zu bestimmenden Grenzen ertragen muss. Ich muss mit den Hinterlassenschaften der tierischen Freunde meiner Nachbarn leben, muss die Abgase und den Lärm, den die Autofahrer verursachen, ertragen, den Lärm von der Fete gegenüber nervt ebenso wie das laute Handygespräch in der U-Bahn.

Müssen nun diese als störend empfundenen Tätigkeiten alle durch Staatseingriff eliminiert werden? Soll Italien unser Vorbild sein, wo selbst am Cafétisch auf der Straße das Rauchen verboten ist, während man gleichzeitig umwabert ist von den Abgasen des brüllenden Straßenverkehrs.Selbst die Raucher haben heute kaum noch Einwände gegen ein Rauchverbot in echten Speiselokalen. Aber muss man selbst dem rauchenden Gastwirt in seiner eigenen Kneipe das Rauchen verbieten? Warum soll es nicht auch in öffentlichen Gebäuden irgendwo eine kleine Raucherecke geben? Warum soll es nicht auch Cafés, Bars, Eckkneipen geben, in denen weiter geraucht werden kann? Niemand wird gezwungen, in diese Räucherhöhlen zu gehen (in denen aber oft genug das Leben tobt) und wer hier arbeiten will, weiß was ihn erwartet. Meinetwegen darf dann das Bier in solchen Kneipen etwas teurer sein. Warum kann es nicht Nischen geben in einer weitgehend rauchfreien Gesellschaft? Rigide Verbote schaffen auch Leid. Mit einer intelligenten, maßvollen Gesetzgebung kann man dies verhindern oder reduzieren.

Albrecht Johann, Berlin-Gesundbrunnen

Sehr geehrter Herr Johann,

der Zigarettenkonsum stellt in Deutschland das bedeutendste Gesundheitsrisiko für Atemwegs-, Herz-, Kreislauf- und Krebserkrankungen dar. Raucher sterben etwa 15 Jahre früher als Nichtraucher. Jährlich sind es 140 000 Menschen, die an den Auswirkungen des Zigarettenkonsums sterben. Die durch das Rauchen verursachten Kosten belaufen sich auf etwa 17 Mrd. Euro. Diese gesundheitlichen wie auch finanziellen Folgen des Rauchens sind für die Gesellschaft nicht länger hinnehmbar. Insbesondere Kinder leiden unter dem Tabakqualm, oft schon im Mutterleib. Länder wie Italien, Irland, Schweden oder Spanien lösen diese Probleme mit Hilfe von Nichtraucherschutzgesetzen. In Deutschland gibt es bisher keinen umfassenden Nichtraucherschutz. Selbstverpflichtungen, wie die des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) mit dem Bundesgesundheitsministerium sind zwar durchaus zu begrüßen, haben aber bisher zu keinen spürbaren Verbesserungen geführt. Deswegen wird der Druck, auch in Deutschland eine gesetzliche Regelung einzuführen, immer stärker.

63 Prozent der Bevölkerung sind Nichtraucher. Als Drogenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion setze ich mich für einen besseren Schutz der Nichtraucher ein, nicht nur in Gaststätten, sondern ebenso in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln sowie an allen Arbeitsplätzen. Ein Nichtraucherschutzgesetz hat vor allem den Schutz der Kinder und Jugendlichen zum Ziel. Diese leiden nicht nur unter dem Passivrauchen, sondern ca. 40 Prozent der 18- bis 25-jährigen rauchen heute selbst. Tabakwerbung, frei zugängliche Zigarettenautomaten und eine Zigarettenindustrie, die die Herstellung der Zigaretten geschmacklich speziell auf Jugendliche abgestimmt hat, haben mit dazu beigetragen, dass das Einstiegsalter für den Zigarettenkonsum auf 11,6 Jahre gesunken ist. Dies ist erschreckend. Die Umsetzung der Tabakwerberichtlinie durch Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer sehe ich daher als wichtigen Schritt, insbesondere zum besseren Schutz der Jugend vor den Folgen des Tabakkonsums.

Ein Gesetz zum Schutz vor dem Tabakrauch hat nichts mit einer Ausgrenzung der Raucher zu tun. Sie sprechen beispielhaft vom Rauchverbot in Italien. Von Diskriminierung, wie Sie es nennen, kann in Italien nicht die Rede sein. Auch Raucher besuchen dort weiterhin gastronomische Betriebe und viele von ihnen begrüßen mittlerweile das Rauchverbot, weil auch sie lieber rauchfrei speisen. Die Italiener gehen zum Rauchen vor die Tür oder ziehen sich in Raucherräume zurück. Den Wirten steht es frei, separate Räume zu schaffen, in denen geraucht aber nicht bedient werden darf. Dies ist eine Lösung, die ich mir auch für Deutschland gut vorstellen kann. Rauchen und Passivrauchen sind erwiesenermaßen gesundheitsschädlich. Der überwiegende nichtrauchende Teil der Bevölkerung muss vor den gesundheitlichen Gefahren des Rauchens besser geschützt werden.

Mit freundlichen Grüßen

— Maria Eichhorn (CSU), Drogenbeauftragte

der Unionsbundestagsfraktion

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