Leserbriefe : Tut die deutsche Autoindustrie genug für den Klimaschutz?

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„Die Autokanzlerin“ vom 30. Januar

Die deutsche Autoindustrie gehört aus ihrem jahrelangen Tiefschlaf geweckt. Die Hersteller haben die Zeichen der Zeit schlicht und einfach nicht erkannt. Oder ignoriert. Jetzt zu jammern und auf bedrohte Arbeitsplätze zu verweisen, ist aber zu einfach. Zumal die EU-Forderung nach niedrigeren Abgaswerten nicht neu ist.

Die deutschen Hersteller haben den Fortschritt beim Rußfilter ebenso verschlafen wie die Einführung des Hybridantriebs und auch in puncto Zuverlässigkeit haben die Japaner den deutschen Herstellern schon vor langer Zeit den Rang abgelaufen, wie man der Pannenstatistik Jahr für Jahr entnehmen kann. Auch die Schwerpunkte in der Modellpolitik der deutschen Autokonzerne sind längst nicht mehr zeitgemäß. Große und schwere Modelle mit hohem Verbrauch werden sich wohl nicht mehr lange gut verkaufen lassen. Ich gehe davon aus, dass das Umweltbewusstsein der Verbraucher in den kommenden Jahren rapide zunehmen wird, wenn sich die durch den Klimawandel bedingten Wetterphänomene wie Stürme, Überschwemmungen etc. in Europa verstärken und häufen!

Alles in allem: Wenn die deutschen Hersteller nicht freiwillig umweltfreundlichere Fahrzeuge produzieren, hilft es ihnen auf Dauer auch nicht, wenn die Bundeskanzlerin die neuen EU-Grenzwerte für Abgase vorerst verhindern kann. Ihre Marktanteile werden zugunsten ausländischer Hersteller immer weiter schrumpfen. Und das kostet dann wirklich Arbeitsplätze in Deutschland.

Jürgen Fuchs, Berlin-Buckow

Sehr geehrter Herr Fuchs,

vielleicht ist es eine eher kleine Meldung, die dieser Tage im Streit um Autoschadstoffe und Emissionsgrenzen aus Brüssel kommt, die den deutschen Automanagern zu denken geben wird: EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hat angekündigt, seinen Dienst-Mercedes gegen eine Limousine mit Hybridantrieb aus dem Hause Toyota auszutauschen. Sein Argument: deutlich weniger Verbrauch und somit umweltfreundlicher und billiger. Den europäischen Steuerzahler freut’s – und den Autoherstellern sollte es eine klare Warnung sein: Ihren Lobby-Feldzug gegen CO2-Grenzwerte und eine aktive Klimaschutzpolitik der EU – im Verein mit Kanzlerin Merkel und Industriekommissar Günter Verheugen (der besser den Titel: „Kommissar der deutschen Automobilindustrie“ tragen sollte) – mögen sie gewinnen, den internationalen Wettbewerb um Kunden werden sie durch ihr Nichtstun verlieren – und damit Tausende Arbeitsplätze in den deutschen Werken gefährden.

Verbrauchsärmere Autos werden angesichts steigender Ölpreise zunehmend nachgefragt; das zeigt die Entscheidung von Dimas ebenso wie Ihr Leserbrief. In Ländern mit enormem Wachstumspotenzial wie China gibt es zudem bereits jetzt strenge Emissionsgrenzen, die den Markt für schwere und verbrauchsstarke Modelle verschließen. So darf aufgrund verschärfter Grenzwerte zum Beispiel VW zwei Drittel seiner Flotte nicht mehr auf dem chinesischen Markt anbieten. Das kostet Arbeitsplätze! Wenn es schon nicht die umweltpolitische Verantwortung ist, die die Konzernvorstände von VW, Daimler und Co. antreibt, sollte es doch zumindest der ökonomische Verstand sein, der auch die deutschen Autofabrikanten zum Bau effizienterer Modelle animiert. Mit ihrer derzeitigen Linie verspielen sie ihre Chancen auf den Märkten der Zukunft.

Es ist ein Mythos, der sich nachhältig hält: die umweltfreundliche deutsche Automobilbranche. Die Realität sieht – abgesehen von einigen Show-Erfolgen wie dem Drei-Liter-Auto Mitte der 90er Jahre – leider anders aus. Denn seit den 80er Jahren haben die deutschen Hersteller eine Umweltinnovation nach der anderen verschlafen: erst den Katalysator, dann die Dieselrußfilter und jüngst die Hybridantriebe. Mit allen wegweisenden Neuerungen verbindet man französische und japanische Hersteller, nicht aber die deutschen. Nun scheinen sie auch bei der Effizienztechnik wieder das Schlusslicht zu sein, das sich mit Händen und Füßen gegen eine Entwicklung sperrt, die früher oder später ohnehin kommt. Weil sie angesichts des Klimawandels und angesichts endender Ressourcen kommen muss.

Ohne gesetzliche Vorgaben bewegen sich gerade die deutschen Automobilkonzerne nicht. Denn hätten sie sich bewegt und ihre Selbstverpflichtung zur CO2-Reduzierung von 1998 erfüllt, müsste die Politik jetzt nicht handeln. Das war keine Lizenz zum Weiterschlafen. Deshalb es richtig ist, dass die EU auf dem durchschnittlichen Grenzwert von 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ab 2012 beharrt. Angela Merkel wollte als Umweltengel in die Geschichte eingehen. Dazu braucht es Taten - geflügelter Worte sind genug gewechselt

Mit freundlichen Grüßen

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