Meinung : Lieber Gebühren senken

„Das Eckige im Runden“ vom 12. Juli

Dass ARD und ZDF überhaupt Millionen Euro von den zwangsweise bei den Bürgern eingezogenen Gebühren Übertragungsrechte für Sportveranstaltungen kaufen dürfen, ist eigentlich schon eine Unverschämtheit. Aufgabe eines per Zwangsabgabe finanzierten quasistaatlichen Senders kann es nur sein, eine Grundversorgung mit Information und Dokumentation anzubieten. Dazu reichen ein oder zwei Sender, statt mehr als zwei Dutzend. Und diese müssen sich dann auch auf das Wesentliche beschränken. Billige Koch- und Quizshows und teure Unterhaltungsprogramme haben hier nichts zu suchen. Wenn die Bürger das sehen wollen, können diese das im Pay-TV bestellen oder ins private Free-TV umschalten.

Information und Dokumentation findet bei den Öffentlich-Rechtlichen derzeit nur gegen Mitternacht oder in irgendwelchen Spartenkanälen statt. Durch diese an Einschaltquoten ausgerichtete Programmgestaltung ist die Erhebung einer Zwangsabgabe Ausbeutung der Bürger und eine Wettbewerbsverzerrung am Fernsehmarkt. Darüber hinaus muss man sich die Frage stellen, ob es überhaupt noch öffentlich-rechtlicher Sender bedarf. Die Informationsversorgung wird heute durch das Internet wesentlich besser bereitgestellt, als ARD und ZDF das je getan haben.

Die Übertragungsrechte für Fußballspiele sind in der Regel begehrt und es finden sich stets auch private Bieter. Diese müssten eigentlich den Vorzug erhalten, leisten diese doch mitnichten schlechtere Arbeit als die Sportredaktionen der Öffentlich-Rechtlichen, und zugleich kosten sie dem Bürger im Falle des Free-TVs nichts. Im Falle des Pay-TVs kann jeder selbst entscheiden, ob er bereit ist, für die Übertragung eines Spiels zu zahlen. Durch das Mitbieten um Sportübertragungsrechte sind auch die Öffentlich-Rechtlichen eine Art Pay-TV-Sendegruppe, ein Zwangs-PayTV, denn Abbestellen geht nicht.

Kommerz um die Fußballübertragung betreiben auch die Öffentlich-Rechtlichen. Jede Übertragung wird in der Regel von einer Biermarke gesponsert. Ob in der Halbzeitpause und vor Anpfiff des Spiels nun Werbung oder dumme Kommentare kommen, macht letztlich keinen Unterschied. Der Verlust der Übertragungsrechte und das Einsparen von 100 Millionen Euro sollte daher besser mit einer Gebührensenkung einhergehen. Davon haben die Bürger mehr als von einer neuen Show oder Seifenoper.

Hans Heidelberg, Berlin-Wedding

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