Maike Kohl-Richter zur Griechenland-Hilfe : "Helmut Kohl wollte Europa nie um jeden Preis"

Was würde Helmut Kohl zu Griechenland sagen? Dazu äußert sich im Tagesspiegel erstmals seine Ehefrau Maike Kohl-Richter: Solidarität ist keine Einbahnstraße, sondern setzt eigene Anstrengungen voraus. Zu seiner Gesundheit sagt sie: Es geht aufwärts.

Maike Kohl-Richter
Seit Helmut Kohl sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen hat, ist seine zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter die zentrale Instanz für alle Fragen an den Altbundeskanzler.
Sie sagt, was er denkt: Seit Helmut Kohl sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen hat, ist seine zweite Ehefrau Maike...Foto: Michael Dalder/Reuters

Eine Kolumne von Kai Diekmann, dem Chefredakteur der Bild-Zeitung, zum dritten Hilfspaket für Griechenland legt die Vermutung nahe, Helmut Kohl hätte diese Hilfe abgelehnt.

Da sich Befürworter gerne auf Kohl berufen, fragten wir seine Frau Maike Kohl-Richter: Hätte Kohl dagegen gestimmt? Erstmals schreibt sie selbst über das politische Erbe ihres Mannes.

Ich kann hier nur meine Sicht wiedergeben und nicht für meinen Mann sprechen. Das muss er selber tun, und das kann er derzeit leider nicht, weil er mit seiner Genesung beschäftigt ist. Es geht aber spürbar aufwärts, wir sind guten Mutes.

Ihre Frage kann ich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Ich habe Kai Diekmann auch anders verstanden. Er hat nach meinem Verständnis nicht gesagt, dass Helmut Kohl im Bundestag gegen die Griechenland-Hilfe gestimmt hätte.

Das hat er offen gelassen und nur darauf hingewiesen, dass – wer dem Rettungspaket zustimme – sich dabei nicht auf Helmut Kohl und dessen Vorstellung von Europa berufen könne, weil dieser immer ein anderes Europa im Sinn gehabt habe. Und da hat Kai Diekmann ohne Zweifel recht.

Beim Stabilitätspakt wurde geltendes Recht gebrochen

Denn anders, als es oft dargestellt wird, wollte Helmut Kohl nie ein Europa um jeden Preis. Helmut Kohl wollte immer ein geeintes und einiges, ein starkes Europa, ein Europa der Stabilität und des Rechts, der Solidarität und der Subsidiarität, ein Europa, das mit einer Stimme spricht, das Verlässlichkeit und Vertrauen schafft, das seine Verantwortung nach innen und außen wahrnimmt.

Beispiel Stabilitätspakt: Er war für ihn elementarer Baustein des Euro. Er war nicht fehlerhaft, sondern hat nicht funktioniert, weil geltendes Recht gebrochen wurde. Beispiel Solidarität: Für ihn war Solidarität nie eine Einbahnstraße, sondern setzt Eigenanstrengungen des Empfängers voraus.

Von Helmut Kohls Europa sind wir heute leider weit entfernt

Heißt: Helmut Kohl wollte immer ein Europa, in dem jeder Mitgliedstaat aus eigenem Interesse und zugunsten des großen Ganzen seine Hausaufgaben macht und das nur so ein solides Fundament für Frieden und Freiheit sein kann. Das hat mein Mann stets so vertreten, zuletzt und sehr nachdrücklich in seinem im Vorjahr erschienenen Europa-Buch.

Deshalb sage ich aus voller Überzeugung: Ich habe mich über den Kommentar von Kai Diekmann gefreut. Es ist die klarste und mutigste öffentliche Stellungnahme seit Langem. Mir hat das gutgetan - auch als Klarstellung, welches Europa Helmut Kohl wirklich wollte und maßgeblich mitgebaut hat. Davon sind wir heute – leider – ein gutes Stück entfernt.

Helmut Kohl - 16 Jahre Bundeskanzler
Helmut Kohl spielte eine wichtige Rolle auf dem Weg zum gemeinsamen Euro. Am 2./3. Mai 1998 beschloss der EU-Gipfel in Brüssel die Währungsunion.Weitere Bilder anzeigen
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25.09.2012 13:48Helmut Kohl spielte eine wichtige Rolle auf dem Weg zum gemeinsamen Euro. Am 2./3. Mai 1998 beschloss der EU-Gipfel in Brüssel die...

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