Martenstein zum NSA-Skandal : Liebesgrüße aus Washington

Die Amerikaner tun nichts, was tausende Deutsche in ihrer Familie nicht auch tun: Sie spionieren. Harald Martenstein meint, "die Amerikaner lieben uns wie eine Mutter. Sie sind einfach nur eifersüchtig."

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Die Amerikaner tun nichts, was tausende Deutsche in ihrer Familie nicht auch tun. Die Amerikaner lieben uns wie eine Mutter. Sie sind einfach nur eifersüchtig, meint Harald Martenstein.
Die Amerikaner tun nichts, was tausende Deutsche in ihrer Familie nicht auch tun. Die Amerikaner lieben uns wie eine Mutter. Sie...Foto: dpa

Diese Kolumne enthält wichtige Enthüllungen über den NSA- Skandal! Der amerikanische Geheimdienst und die Briten haben Deutschland ausspioniert. Jetzt heißt es, dass es eine riesige Gemeinheit sei und auch unüblich, seinen Partner auszuspionieren. Ich habe mich mal im Internet umgeschaut. Erste Enthüllung: In Wirklichkeit ist es extrem üblich, den Partner auszuspionieren. Mehr noch – vor allem die Partner werden ausspioniert. Überall wird Software angeboten. „GSM Spy“ lässt sich relativ einfach auf jedem Handy installieren. In der Werbung heißt es: „Das Misstrauen kann sowohl der Treue des Partners als auch den Aktivitäten des Sohnes gelten.“ Die Amerikaner tun also nichts, was tausende Deutsche in ihrer Familie nicht auch tun. Die Amerikaner lieben uns wie eine Mutter. Sie sind einfach nur eifersüchtig. Oder besorgt.

Zweite Enthüllung. Auch die Franzosen spionieren uns aus. Ihr Geheimdienst hat zum Beispiel, als es um den Verkauf von Zügen an das Land Südkorea ging, das Angebot der Firma Siemens ausspioniert. Daraufhin konnten die Franzosen Siemens unterbieten und bekamen den Auftrag. Sollen wir deshalb die deutsch-französische Freundschaft für beendet erklären? Dritte Enthüllung. Das alles stand schon 2008 im Bericht des Verfassungsschutzes. Damals hieß es, dass es massive Computerspionage gegen die deutsche Wirtschaft und die deutsche Politik gibt, von allen Seiten.

Unser Kolumnist Harald Martenstein, mehr von ihm hier.
Unser Kolumnist Harald Martenstein, mehr von ihm hier.Zeichnung: promo

Vierte Enthüllung. Fast alle Länder betreiben Spionage, auch Deutschland. Gleichzeitig ist in allen Ländern die Spionage anderer Länder verboten. Der eigene Spion gilt meistens als Held, der fremde Spion gilt als Verbrecher. Der Sinn von Spionage besteht darin, Geheimnisse herauszufinden. Geheimnisse sind naturgemäß geheim. Deshalb kann sich ein Spion unmöglich an die Gesetze seines Ziellandes halten. Ein Spion, der sagt, ich halte mich streng an die Geheimhaltungsvorschriften meines Ziellandes und benutze nur zulässige Quellen, hat seinen Beruf verfehlt. Sollten deutsche Spione sich im Auslandseinsatz wirklich immer an die Gesetze halten müssen, dann tun die deutschen Spione mir aufrichtig leid.

Die Aufregung, die es zur Zeit in Deutschland gibt, hat etwas Künstliches und Naives. Seit es Staaten gibt, schnüffeln sie sich aus, auch unter Freunden. 1979 wurde in Österreich ein Schweizer Spion verhaftet. Es ist wirklich albern, wenn jetzt gefordert wird, den Amerikanern die Freundschaft zu kündigen. Die richtige Antwort, Kinderchen, besteht darin, die deutschen Geheimnisse besser zu schützen. Und wenn wir nie etwas über deutsche Spionage-Erfolge hören, dann kann dies zwei Gründe haben. Entweder sind unsere Spione zu schlecht. Oder sie sind verdammt tüchtig. Ich hoffe auf Letzteres.

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