MEINE Heimat : Hosen hoch und rein in den Bach

Während im Hintergrund die Olympischen Spiele laufen, frage ich mich: Wie sähe der Wettbewerb um die beste Regierung aus? Wie misst man das? Wer verdient die Goldmedaille?

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Geht es Ihnen auch so wie mir? Irgendwie rücken die Olympischen Spiele nicht in den Mittelpunkt meines Interesses. Da sind einfach zu viele Sportarten, von denen ich keine Ahnung habe und bei denen ich nicht einmal ansatzweise die Regeln verstehe. Aber trotzdem plätschert Olympia so nebenher im Fernsehen mit. Dabei übertraf die Eröffnungsfeier so ziemlich alles, was ich jemals gesehen habe. Jede positive Eigenschaft der Engländer – Humor, Internationalität, die kulturelle Bandbreite von der Literatur bis zur Popmusik – wurde liebevoll präsentiert. Geradezu sentimental wurde ich beim Einmarsch der Delegationen, die deutlich machten, in welch einer wunderbar bunten Welt wir doch leben. Ich war sehr dankbar für die Einblendung der Karten, denn meine geografischen Kenntnisse sind ehrlich gesagt begrenzt.

Eigene Grenzen zu erfahren, sie zu überwinden oder zu scheitern, das kennen wir alle. Wer von uns würde sein Leben der Aufgabe widmen, tagaus und tagein zu trainieren, um eine Millisekunde schneller ins Ziel zu kommen, etwas höher, weiter oder besser zu sein als der Gegner? Bei den olympischen Wettkämpfen geht es um Sekunden, Zentimeter, Punkte und Wertungstafeln. Irgendwie ist alles kategorisiert, messbar, vergleichbar und wenn es doch mal klemmt, gibt es einen Schiedsrichter, der für Gewissheit sorgt.

Ich überlegte, wie wohl der Wettbewerb um die beste Regierung aussähe? Wie misst man das? Unsere aktuelle Regierungsmannschaft geht sich schon in der Umkleidekabine an die Wäsche, so dass die Blessuren bereits vor dem Wettbewerb sichtbar werden. Die Chefin hat bisher immer ein Auge zugedrückt, denn solange sich die Mitglieder ihres Teams gegenseitig blockierten, hatten sie keine freie Energie, um sich gegen sie zu verbrüdern. Eine prima Gelegenheit für die gegnerische Mannschaft, endlich nach vorne zu preschen. Nur streitet die sich, wer das Trikot des Spielführers tragen darf. Und weil niemand den anderen nach vorne lässt, stellen sie sich alle drei hinten rein. Troika heißt: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Ein Stück intelligenter blockieren sich die Spitzenpolitiker aus der grünen Mannschaft. Eine Sportlerin ist in Berlin schon im Landesvorentscheid rausgeflogen. Sie lässt die Fehler lieber andere machen und schont sich für das entscheidende Match im nächsten Jahr. So kriegen am Ende nicht diejenigen die Medaillen, die alles gegeben haben, sondern jene, die am wenigsten riskierten. Das erinnert mich an die Badminton-Spielerinnen, die in der Vorrunde absichtlich verloren haben, um zu vermeiden, auf starke Gegner zu treffen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich nur mit einem halben Auge zuschaue, aber ich habe den Eindruck, dass vieles schon verspielt ist, bevor der Wettbewerb richtig losgeht. Oder wie mein Vater sagen würde: „Dereyi görmeden pacayi sivama“ – Krempel nicht die Hose hoch, bevor du den Bach siehst.

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