Merkels Auswahl : Die Chefin und das Personal

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine ganz eigenwillige Art der Personalauswahl: stark ist sie nur da, wo es um die Blockade potenzieller Konkurrenten ging und geht. Was aber hat sie sich bei Christian Wulff gedacht?

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Sie hat ihn gefördert. Was hat sie sich dabei gedacht?
Sie hat ihn gefördert. Was hat sie sich dabei gedacht?Foto: dpa

Ob Christian Wulff diese Krise politisch überlebt? Das ist sein Problem und keines des Amtes. Das wird durch einen nur bedingt geeigneten Kandidaten nicht beschädigt, so wenig, wie ein schwacher Regierungschef das Ansehen des Kanzleramtes desavouiert. Aber Angela Merkel muss sich, so oder so, Fragen gefallen lassen. Was hat sich Wulffs Förderin bei ihrer Personalauswahl gedacht? Wie ist es um ihr Geschick bestellt, die richtigen Leute an die richtigen Plätze zu stellen?

Man stellt fest: Personalauswahl gehört zu den Stärken von Angela Merkel nur da, wo es um die Blockade potenzieller Konkurrenten ging und geht. Auch das muss man/frau natürlich im Sinne Machiavellis beherrschen. Härte gehört zum politischen Geschäft. Nur sollten die Opfer links und rechts des eigenen Werdegangs nicht Wegmarkierungen eines immer neuen Zerstörens von Talenten sein. Wer seine eigene Position nur festigen kann, indem er Ebenbürtige oder gar Befähigtere immer wieder ins Leere laufen lässt, zerstört auf Dauer auch die eigenen Fundamente und die der ihn oder sie tragenden Partei. Das gefährdet letzten Endes auch die Stabilität des demokratischen Staatswesens selbst, an dessen Spitze die Besten und nicht die Bequemsten sein sollten.

Wer einen Wolfgang Schäuble, eine Ursula von der Leyen, wer Klaus Töpfer oder Joachim Gauck als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nicht ermuntert und unterstützt, oder gar, und dies ist schon nahe der Menschenverachtung, ihnen vorübergehend die Illusion gibt, sie wären auserkoren, um dann kühl ein Missverständnis zu unterstellen, der handelt gegen das Wohl des Landes.

Präsidentenfragen sind Machtfragen, natürlich. Das war so bei Gustav Heinemann, dessen Wahl wie ein Fanal für die aufziehende sozial-liberale Koalition war. Das war so bei Richard von Weizsäcker, dessen Mehrheit in der Bundesversammlung sich fand, obwohl – oder gerade weil? – Helmut Kohl diesen Mann verhindern wollte.

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Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht.Weitere Bilder anzeigen
1 von 95Foto: dpa
04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Aber Horst Köhler mit großer Geste als Symbol christdemokratisch-liberalen Gestaltungsanspruchs im Bellevue zu installieren, war schon hybrid – und unfair einem Mann gegenüber, der in anderen Funktionen dem Land gut gedient hatte. Mit Christian Wulff dann alles anders und deshalb besonders richtig machen zu wollen, das war nicht einmal gut gemeint. Der war ein geschickter junger Ministerpräsident. Aber wer will das schon sein ganzes Leben machen? Und dann kommt jemand, der es entscheiden kann, und fragt: Bundespräsident, wär’ das nichts?

Wer sagt da schon Nein, auch wenn ihm vielleicht schon damals jener Gedanke gekommen sein mag, den er jetzt im Interview aussprach – dass das wohl ein ziemlich großer Schritt war.

Permanent daneben lag die CDU-Vorsitzende mit der Auswahl ihrer Generalsekretäre. Ruprecht Polenz war viel zu nachdenklich und zu skrupulös für diesen Hau-drauf-Posten. Der lebensfrohe Laurenz Meyer stolperte über Zahlungen seines alten Arbeitgebers RWE. Volker Kauder wurde dringender in der Fraktion gebraucht, Ronald Pofalla hatte schon als „General“ Probleme mit seiner Unbeherrschtheit, Hermann Gröhe kann als Generalsekretär seinem Partei-übergreifenden, christlichen Engagement in Menschenrechtsfragen viel zu wenig Raum geben.

Die Zeiten, in denen CDU-Vorsitzende profilstarke Generalsekretäre wie Heiner Geißler oder Kurt Biedenkopf als eigenständige Vordenker trugen und ertrugen, sind vorbei – das ist eine der Ursachen der Sinnkrise der CDU.

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