Nach Lampedusa : Nicht aufzuhalten

Angesichts des Klimawandels lässt sich Migration mit Abwehr oder mit Entwicklungshilfe nicht managen.

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Särge, im Vordergrund vier Kindersärge mit Teddybären und Nummern
Nummern bleiben von den mehr als 200 Toten nach dem jüngsten Flüchtlingsdrama vor Lampedusa. Nicht einmal Namen haben die...Foto: dpa

Der Geburtsort entscheidet, ob jemand reich oder arm sein wird. Und schon immer hat es Millionen Menschen gegeben, die sich mit diesem Faktum nicht abfinden wollten, sondern ihre Heimat verlassen haben. Deshalb fordern nun wieder viele Wohlmeinende, es müsse eben mehr Entwicklungshilfe geben, damit „die Menschen“ in ihren Heimatländern bessere Chancen hätten. Eigentlich ist das nur ein Argument, um den eigenen Wohlstand auch weiterhin gegen globale Gerechtigkeitsforderungen zu verteidigen. Aber abgesehen davon: In einer endlichen Welt mitten in der globalen Erwärmung kann das Rezept des reichen Nordens – erst die Industrialisierung und das Aufräumen später – nicht mehr funktionieren. Die Grenzen der Aufnahmefähigkeit unserer Atmosphäre für Treibhausgase sind erreicht. Die globalen Klimaveränderungen werden weitere Millionen Menschen in Bewegung setzen, weil ihre einzige Chance zur Anpassung in der Flucht bestehen wird. Wer in einem solchen Umfeld glaubt, Migration als Abwehrschlacht gegen Flüchtlinge managen zu können, muss ziemlich naiv sein. Wer sein Überleben und das seiner Familie nicht sichern kann, wird sich auch weiterhin nicht aufhalten lassen.

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