Neue Charterregeln : Salonschiffe in Seenot

Die neue Charterverordnung schafft Risiken statt Sicherheit. Das Bundesverkehrsministerium sollte den Rückwärtsgang einlegen, schreibt Christoph Stollowsky in seinem Kommentar. Berlins quirlige bunte Bootsszene auf Spree und Havel wird ohne Sinn und Verstand aufs Spiel gesetzt.

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Wegen der neuen Charterverordnung können viele Salonboote oder historischen Kähne bald nicht mehr mit Ausflugsgruppen auf Berlins Gewässern unterwegs sein. Wir zeigen eine kleine Auswahl dieser bunten, akut bedrohten Flotte - zum Beispiel die ,,Libelle". Sie ist eine Hamburger Hafenbarkasse. Heute liegt sie im Historischen Hafen an der Fischerinsel. Ihr Eigner André Siebach kann bis zu 25 Gäste auf eine Ausflugstour mitnehmen.Alle Bilder anzeigen
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02.03.2013 16:21Wegen der neuen Charterverordnung können viele Salonboote oder historischen Kähne bald nicht mehr mit Ausflugsgruppen auf Berlins...

Berlins bunte maritime Szene vom Liegestuhl aus beobachten, am besten in einer der Strandbars in Mitte: Das ist ein abwechslungsreiches Vergnügen. Historische Barkassen und Schlepper, Salonboote und Flöße schippern vorbei, meist gechartert von privaten Ausflüglern, die mal im kleineren Familien- Freundes- oder Kollegenkreis in einem originellen Boot auf dem Wasser feiern wollen. Doch die Freude an diesem Spaß könnte schon bald vorbei sein. Die Schifffahrtsbehörden wollen die populäre Flotte mit einem Trick von Spree und Havel vertreiben. Schiffe dürfen nicht mehr inklusive Skipper vermietet werden, obwohl Charterboote mit Skipper weltweit eine Selbstverständlichkeit sind. Nur noch Selbstfahrer können die Kähne mieten. Obwohl die meisten Skipper erfahrene Binnenschiffer sind und obwohl sie seit vielen Jahren nahezu unfallfrei über Berlins Gewässer schippern, dürfen sie künftig keine Ausflugsgruppen mehr auf ihren Booten mitnehmen. Bootsfremde Steuerleute, teils Hobby-Kapitäne, die mit den stark befahrenen Berliner Wasserstraßen eher wenig vertraut sind, sollen stattdessen Kurs halten. Das schafft erhebliche Risiken, anstatt sie zu vermindern.

Bedrohte Salonschiffe
Wegen der neuen Charterverordnung können viele Salonboote oder historischen Kähne bald nicht mehr mit Ausflugsgruppen auf Berlins Gewässern unterwegs sein. Wir zeigen eine kleine Auswahl dieser bunten, akut bedrohten Flotte - zum Beispiel die ,,Libelle". Sie ist eine Hamburger Hafenbarkasse. Heute liegt sie im Historischen Hafen an der Fischerinsel. Ihr Eigner André Siebach kann bis zu 25 Gäste auf eine Ausflugstour mitnehmen.Alle Bilder anzeigen
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02.03.2013 16:21Wegen der neuen Charterverordnung können viele Salonboote oder historischen Kähne bald nicht mehr mit Ausflugsgruppen auf Berlins...

Eine junge populäre Branche wird mit diesen Auflagen ohne Sinn und Verstand pauschal ausgebremst und möglicherweise in den Ruin getrieben. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hier um ein von Lobbyisten gesteuertes Manöver im Interesse der großen Fahrgastreedereien handelt. Ungeliebte Konkurrenz soll aus deren Kielwasser vertrieben werden – mit vorgeschobenen Sicherheitsbedenken. Ginge es den Behörden tatsächlich um mehr Sicherheit, müssten sie dies gezielt angehen: Mit mehr Kontrollen gegen die wenigen schwarzen Schafe unter den Vercharterern. Und eventuellen Nachbesserungen bei den TÜV-Gutachten für Sportboote.

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