Meinung : Nicht gläubig im Sinne von Christentum, Judentum und Islam

„Heiliger Hickhack. Münster bildet als erste deutsche Universität muslimische Theologen aus – doch es gibt Streit um Personen und Strukturen“ vom 13. Januar

Den Ärger mit den staatlich finanzierten theologischen Lehrstühlen gäbe es nicht, wenn die Religionsgemeinschaften die Ausbildung ihrer Verkünder an eigenen, selbst finanzierten Ausbildungsstätten betreiben würden. Schließlich gehört Theologie nicht an eine Universität. Der Theologie fehlt die Ergebnisoffenheit ihrer Forschung und die von Kirche und Islamverbänden unabhängige Lehrfreiheit. Beide Kriterien kennzeichnen sie als eine Disziplin, die im Auftrag von Organisationen an einer Universität tätig ist und die in erster Linie ein nicht wissenschaftliches Interesse verfolgt, nämlich die Ausbildung von Glaubensverkündern nach vorgegebenen, sogenannten heiligen Schriften.

Gegenstand der Theologie sind nicht nachweisbare, nur begrifflich existierende Objekte wie Gott und Transzendenz, ihr fehlt somit der wissenschaftliche Gegenstand. Werden Religion und Glauben allerdings nach historischen, empirischen und systematischen

Gesichtspunkten untersucht, hat sie

als Religionswissenschaft, zu der

inzwischen faktisch ein Teil der (kritischen) Theologie zu zählen wäre, sehr wohl einen Platz an der Universität.

Dass theologische Fakultäten nach wie vor in oft üppiger Ausstattung an wissenschaftlichen Forschungs- und Ausbildungsstätten verankert sind, ist der Tatsache geschuldet, dass die zuständigen politischen Instanzen praktisch ausschließlich von Vertretern der großen Religionsgemeinschaften besetzt sind.

Zwar gelten offiziell bereits etwa

35 Prozent der deutschen Bevölkerung als nicht gläubig im Sinne von Christentum, Judentum und Islam, tiefergehende Analysen zeigen, dass schon etwa

50 Prozent innerlich in Distanz zu herkömmlichem Glauben und Gott stehen. Das hindert leider die Politik nicht daran, entgegen dem Auftrag einer Universität und entgegen der Auffassung eines hoch relevanten Anteils der Bevölkerung Glaubensverbreitung mit staatlichen Mitteln, also Geldern auch von betont Nichtgläubigen, zu fördern.

Prof. Dr. Uwe Lehnert,

Berlin-Nikolassee

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