NSU-Prozess in München : Will Zschäpe ihr Schweigen brechen?

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe schweigt im Prozess. Das wollen zumindest ihre Verteidiger so. Möglicherweise hält die Hauptangeklagte das jetzt nicht mehr aus.

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Beate Zschäpe (2. von rechts) und ihre Anwälte Wolfgang Stahl, Anja Sturm und Wolfgang Heer.
Beate Zschäpe (2. von rechts) und ihre Anwälte Wolfgang Stahl, Anja Sturm und Wolfgang Heer.Foto: dpa

Die Aufregung ist beachtlich. Anwälte sind geschockt, es wird sogar prophezeit, der NSU-Prozess werde platzen. Beate Zschäpe hat mit einer kurzen Botschaft an den 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München ein wildes Szenario heraufbeschworen. Die Hauptangeklagte will sich nicht mehr von ihren drei Pflichtverteidigern vertreten lassen. Will sie damit auch erreichen, dass der größte Prozess zu rechtsextremer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland in einem ersten Anlauf scheitert? Jedenfalls muss sich bei Zschäpe in mehr als 14 Monaten mit 128 Verhandlungstagen viel Verzweiflung gestaut haben. Und Angst vor einer langen Haft. Selbst wenn die Richter die Frau nicht im vollen Umfang der Anklage verurteilen sollten.

Ein Freispruch scheint nur eine theoretische Option zu sein. Es ist schon kaum zu bestreiten, dass Zschäpe am 4. November 2011 in Zwickau die Wohnung angezündet hat, in der sie mit den NSU-Mördern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gelebt hatte. Durch das Inferno geriet in der Wohnung nebenan eine Rentnerin in Gefahr. Die Bundesanwaltschaft spricht von versuchtem Mord. Schon dafür könnte der Strafsenat lebenslange Haft verhängen. Und da ist von den Morden des NSU an neun Migranten sowie einer Polizistin noch keine Rede. Und von den Sprengstoffanschlägen und Raubüberfällen. Die Bundesanwaltschaft hält Zschäpe bei allen Delikten für die Mittäterin. Sehen es die Richter auch so, käme sogar Sicherungsverwahrung in Frage.

Zschäpe schweigt im Prozess, das wollen zumindest ihre Verteidiger so. Möglicherweise hält die Frau das nicht mehr aus. Schweigen erfordert viel Kraft. Im Mai fiel eine Verhandlungswoche fast komplett aus, als Zschäpe psychisch erschöpft war und erkrankte. Vielleicht bereut sie sogar, mit Mundlos und Böhnhardt in den Untergrund gegangen zu sein. Doch was sie jetzt auch antreiben mag, der Vorsitzende Richter Manfred Götzl ist kein Jurist, der aufgibt. Gut möglich, dass er Zschäpes Argumente gegen ihre Verteidiger nicht akzeptiert. Und dass der NSU-Prozess fortgesetzt wird. Bis zum mutmaßlich bitteren Ende für Zschäpe und die meisten Mitangeklagten.

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