Oberstaatsanwalt Eimterbäumer : „Ich entscheide nicht einsam und allein“

Er hat Hass-Mails bekommen und lange mit sich gerungen. Am Ende hat sich der Hannoveraner Oberstaatsanwalt mit seinen Kollegen abgesprochen und beantragt die Immunität von Christian Wulff aufzuheben.

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Clemens Eimterbäumer.
Clemens Eimterbäumer.Foto: dpa

Bisher wollte er lieber im Verborgenen bleiben, vor allem zum Schutz seiner beiden kleinen Kinder. Jetzt kann sich Clemens Eimterbäumer nicht länger verstecken. Zu riesig ist das öffentliche Interesse an dem Mann, der Bundespräsident Christian Wulff zu Fall brachte.

Der 41-jährige Oberstaatsanwalt leitet die vierköpfige Korruptionsabteilung bei der Anklagebehörde in Hannover. Er hat den Anfangsverdacht gegen Wulff wegen Vorteilsnahme bejaht und mit seinem Antrag auf Aufhebung der Immunität des Staatsoberhaupts ein politisches Beben ausgelöst. Dass sein Schritt diese Folgen haben würde, dessen war sich der erfahrene Ermittler stets bewusst.

Von einem enormen inneren wie äußeren Druck hatte Eimterbäumer noch am Mittwoch berichtet. „Ich muss mir ständig selbst klarmachen, inwieweit das meine Urteilsfähigkeit beeinflusst“, bekannte er. Je häufiger etwas behauptet werde, desto eher neige man dazu, es auch zu glauben, beschrieb er die Gefahr der medialen Dauerberichterstattung. „Oder es tritt genau das Gegenteil ein.“

Immer wieder habe er sich mit seinen drei Kollegen, zwei Frauen und einem Mann, beraten. „Ich entscheide nicht einsam und allein.“ Aber sein Wort habe schon besonderes Gewicht. Als Eimterbäumer ein wenig von seiner Gefühlslage offenbarte, von Hass-Mails aufgeregter Bürger berichtete, wirkte er äußerlich ruhig und gelassen. In die Ermittlungskarten ließ er sich zu keinem Zeitpunkt schauen.

Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht.Weitere Bilder anzeigen
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04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Hohe Professionalität bescheinigen ihm seine Vorgesetzten. Vor gerade mal dreieinhalb Monaten wurde er zum Chefkorruptionsbekämpfer in Hannover berufen, wenig später hat er das brisanteste Korruptionsverfahren der Bundesrepublik auf dem Tisch. Er war dabei, als die Räume von Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker im Präsidialamt durchsucht wurden; er kann jetzt nach Wegfall der Immunität auf die ganze Klaviatur des Ermittlungsapparats auch gegen das Ex-Staatsoberhaupt zurückgreifen – von Zeugenbefragungen bis hin zu Beschlagnahmen und Razzien.

Eimterbäumer kam 1998 nach Studium und Referendarzeit zur niedersächsischen Justiz. Er war Straf- und Zivilrichter am Amtsgericht Stolzenau und am Landgericht Bückeburg, ging dann zur Staatsanwaltschaft Hannover, wo er die Abteilung für Finanzermittlungen und Geldwäsche mit aufbaute. Der Spezialist für Korruptionsstraftaten ist im In- und Ausland ein gefragter Referent.

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