Petz-App "Sheriff" : Radlers Rache gegen aggressive Falschparker

Die App "Sheriff" macht es leicht, Autofahrer zu verpetzen. Wenn sie funktioniert, könnten die Behörden mit Anzeigen überflutet werden, befürchtet unser Autor. Jedoch: Diese Angelegenheit ist kein Spaß, denn täglich werden Radfahrer tausendfach im Berliner Straßenverkehr gefährdet.

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Der Radfahrer als Petzer: Die App "Sheriff" macht es möglich.
Der Radfahrer als Petzer: Die App "Sheriff" macht es möglich.Foto: dpa

Der „Sheriff“ im Smartphone ist rein technisch gesehen wohl machbar. Falschparker mit Kennzeichen fotografieren, zwei, drei Klicks auf dem Telefon und schon liegt die Anzeige garniert mit exakten GPS-Daten bei Polizei und Ordnungsamt. Bislang ist der Radfahrer hilflos, umkurvt illegal abgestellte Blechkisten und frisst die Wut in sich hinein. Im Höchstfall wird ein kleiner Aufkleber auf die Windschutzscheibe geklebt: „Parke nicht auf unseren Wegen.“

Eine Anzeige? Viel zu kompliziert und bürokratisch. Mit der App könnte die Anzeige zur Massenbewegung werden, Radlers Rache gegen aggressive Falschparker, ein Volkssport. Die Bußgeldstelle wird es mit Grausen sehen. Die läuft seit Jahren schon an der Belastungsgrenze, täglich tausende Datensätze vom „Sheriff“ werden die Systeme zum Absturz bringen.

Alles nur Hirngespinste? Wer weiß. Vor zehn Jahren hätte sich niemand träumen lassen, wozu ein Telefon alles da sein kann. Und es wird sich sicher jemand finden, der die Behörden juristisch zwingen wird, falls diese die Annahme der Sheriff-App-Anzeigen verweigern sollte. Die Sache ist nämlich kein Spaß: Falschparker auf Radwegen oder in zweiter Reihe gefährden Radfahrer täglich tausendfach.

Polizei und Ordnungsamt sind machtlos, nun muss der Sheriff ran. Nur mit teuren Knöllchen werden Autofahrer umdenken. Ich gestehe: Wenn die Falschparker-App funktioniert, kaufe ich mir endlich ein Smartphone.

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