Piratenpartei : Bombergate: Ups, da war der Stecker raus

Das war jetzt nicht so die Woche der Parteien. Demokratische Politik ist, wie es scheint, zwar von der Idee her eine tolle Sache – nur haben die Parteien einfach keine Zeit, sich drum zu kümmern.

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Das „Bombergate“ ist nach der Pleite bei der Bundestagswahl wohl die Klippe, an der das Piratenschiff endgültig zerschellt.
Das „Bombergate“ ist nach der Pleite bei der Bundestagswahl wohl die Klippe, an der das Piratenschiff endgültig zerschellt.Foto: dpa

Wenn die GroKo so weitermacht, bleiben im Grunde nur noch zwei Möglichkeiten: Helmut Schmidt wird deutscher Kaiser, Günter Jauch sein designierter Thronfolger und Til Schweiger Chef der Palastwache. Oder die Bürger nehmen die Sache basisdemokratisch selbst in die Hand.

Ach so, das gibt es ja schon, und es wird auch gewählt: in Form der Piratenpartei. Aber die ist bei näherem Hinsehen, Jesus ... Am Donnerstagabend haben die Computer-Administratoren das komplette IT-Netz dieser Partei ausgeschaltet, um dagegen zu protestieren, dass sich Parteifreunde untereinander wie die Irren benehmen.

Aufgebrochen ist das offenbar mit dem „Bombergate“. Zwei Frauen, die bei den Berliner Piraten eine wichtige Rolle spielen, hatten in Dresden dem britischen General Harris für die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedankt – im Femen-Stil mit blanker Brust. Für 20 000 Tote.

Diese außerordentliche Kombination von politischem Instinkt, luzider Analyse und auserlesenem Geschmack brachte bei den eher realpolitisch orientierten Computer-Menschen den Speicher zum Überlaufen, und sie legten den gesamten Verein demonstrativ lahm. Im Insider-Jargon, Zitat: „*grins* die PiratenIT und orga handelt anarchosyndikalistisch und die mit der Anarchosyndikalistenflagge sind sauer.“ Oder mit den Worten des durchtriebenen Star-Piraten Johannes Ponader: „Wenigstens ist jetzt auch das Austrittsformular offline.“

Piraten ohne Computer, das ist wie Linkspartei ohne Thälmann und Luxemburg: noch irgendwie da, aber ziemlich komisch. Es ist doch offenbar sehr schwierig, die gemeinsame Neigung zur Netzpolitik in zielgerichtete Arbeit umzumünzen, wenn dazu gemäßigte Linke mit durchgedrehten Antifas und allerhand anderen geltungssüchtigen Selbstvermarktern zusammenarbeiten müssten. Das Ergebnis wirkt wie ein Programm zur Rehabilitierung der etablierten Parteien. FDP? CSU? Aber gern.

Wie auch immer: Das „Bombergate“ ist nach der Pleite bei der Bundestagswahl wohl die Klippe, an der das Piratenschiff endgültig zerschellt und die Idee der nach allen Seiten transparenten Politik gleich nach unten mitnimmt. Ja, wir machen dann wohl doch lieber das mit Schmidt und Jauch.

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