PORTRÄT AKE SELLSTRÖM UN-INSPEKTOR IN SYRIEN : Besonnen und ruhig

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Er hat den brisantesten Job der Welt. Von Ake Sellströms Urteil wird wohl abhängen, ob und wie die westlichen Staaten in den nächsten Tagen auf die Giftgasangriffe in Syrien reagieren, bei denen mindestens 350 Menschen gestorben sind, wahrscheinlich sogar deutlich mehr.

Als „besonnen und ruhig“ charakterisieren ihn seine Mitarbeiter. Im März 2013 berief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Professor für Neurobiologie an der Spitze der UN-Chemiewaffeninspektoren für Syrien, wo sich sein Team, verfolgt von der Weltöffentlichkeit, seit zehn Tagen aufhält. Samstag werden er und seine 19 Fachkollegen Damaskus verlassen und danach sofort Ban Bericht erstatten.

Das mit Damaskus ausgehandelte Mandat verbietet den UN-Inspekteuren ausdrücklich, die Täter des Giftgasangriffs zu benennen. Je nachdem jedoch, wie Sellströms Bericht am Ende formuliert ist, könnte er in Richtung syrisches Regime deuten und möglicherweise eine Militäraktion des Westens auslösen. Oder er könnte in Richtung Rebellen deuten und damit Assad und seinen Verbündeten in ihren Vorwürfen bestätigen, die USA suchten wie vor zehn Jahren im Irak nur nach zwielichtigen Vorwänden für eine neuerliche Intervention im Nahen Osten.

1948 geboren, studierte Sellström an der Universität von Göteburg und promovierte über „Transport von Gamma-Aminobuttersäure im Gehirn“. Anschließend lehrte er an verschiedenen amerikanischen Universitäten, später ging er zum „Institut für Verteidigungs- und Sicherheitsforschung“ (FAI) in der nordschwedischen Stadt Umea. 2002 war er als Mitglied der UN-Inspektion in Saddam Husseins Irak mit dabei, unter der Leitung seines Landsmanns Hans Blix. 2006 wechselte er als Projektmanager an das europäische Forschungszentrum „Chemical, Biological, Radiological, Nuclear and Explosives“ (CBRNE), was die EU und die UN bei der Untersuchung von ABC-Kampfstoffen beraten soll. Dort erarbeitete er unter anderem neue Richtlinien für Waffeninspektionen und schulte Experten für solche Einsätze.

In Damaskus wurden Ake Sellström und seine Begleiter dann am Montag sofort beim ersten Besuch vor Ort von Heckenschützen unter Feuer genommen. Trotzdem ließen sie sich nicht einschüchtern, unternahmen Stunden später einen zweiten Anlauf. „Sie zeigten ungewöhnlichen Mut und Entschlossenheit, hierherzukommen“, lobten anschließend die Ärzte vor Ort. Martin Gehlen

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