• PORTRÄT BIRGIT BEHRENDT FORD-MANAGERIN:: „Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen“

PORTRÄT BIRGIT BEHRENDT FORD-MANAGERIN: : „Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen“

Thomas Jahn
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Auf der Automesse in Detroit war sie einer der Stars. Ihre Rede hatte Birgit Behrendt kaum beendet, da stürmten die Automanager, Lieferanten oder Journalisten nach vorn. Geduldig plauderte die gebürtige Kölnerin mit jedem, kramte eine Visitenkarte nach der anderen aus der Handtasche und beantwortete die Fragen. Ihren Auftritt und ihren Einfluss genießt sie sichtlich. „Ich kann mir keinen besseren Ort als Detroit zum Arbeiten vorstellen“, sagte die 52-jährige Topmanagerin.

Dass so viele Schlange stehen, hat seinen Grund. Die Deutsche verantwortet seit zwei Jahren den Einkauf des Autobauers und wacht damit über ein Geschäftsvolumen von mehr als 35 Milliarden Dollar. Unter ihrer Regie hat Ford sein Geschäft mit den Lieferanten radikal umgebaut. Machte der Konzern im Jahr 2006 noch mit mehr als 2 400 Top-Zulieferern Geschäfte, sind es heute weit weniger als die Hälfte. Die Managerin ist nicht nur die mächtigste Frau bei Ford und in der amerikanischen Autobranche. Sie ist auch eine der wenigen Deutschen, die es in den USA nach ganz oben geschafft hat. Eine weitere Spitzenfrau ist Martina Hund-Mejean, Finanzvorstand bei Mastercard. Ihre Karriere hat Behrendt zudem in einer von Männern dominierten Branche gemacht.

Und sie startete ganz unten. Nach dem Abitur fing sie einst bei Ford in Köln an, der amerikanische Konzern hatte als Einziger auf ihre breit gestreuten Bewerbungen reagiert. Sie startet eine Ausbildung zur kaufmännischen Gehilfin und wird Sekretärin, dann Sachbearbeiterin. Als die Assistentin des Einkaufsdirektors erkrankt, springt sie ein – ein Glücksfall, den sie zu nutzen weiß. Der neue Chef drängt sie bald zum Abendstudium und stellt sie später als Einkäuferin ein.

Der Rest ist eine Geschichte von Sachkompetenz, Intelligenz, Fleiß und Ellbogen. Lange Zeit verantwortete Behrendt für Ford den Einkauf in Europa, 2010 kam sie über den Atlantik – ein wichtiger Karriereschritt mitten ins Machtzentrum des in den USA nach General Motors größten Autoherstellers. Dort führt sie den von Vorstandschef Alan Mulally vorgegebenen „One Ford“-Plan durch. Danach wird die Anzahl der Produktionsplattformen reduziert, um möglichst viele Modelle auf gleicher Grundlage zu bauen. Das spart Entwicklungskosten und verbilligt den Einkauf.

Ihre Heimat hat Behrendt, die sonst ohne Kompromisse klarkommt, nicht vergessen. In ihrem Büro hängen Bilder vom Rhein – und ihre Yacht trägt den Namen „Cologne“. Thomas Jahn

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