Porträt : „Das sind Profis, die wissen, was auf sie zukommt“

Der ARD-Journalist Werner Sonne geht in den Ruhestand. Im aufgeregten Polit-Medien-Milieu ragte er durch Schweigsamkeit und Sprödigkeit angenehm heraus.

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Foto: dapd
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Er war treu zu sich selbst, und er war treu zu seinem Sender. Und deswegen hat Werner Sonne schier unfassbare 44 Jahre für den Westdeutschen Rundfunk gearbeitet. Was 1968 begann, endet am 30. Juni 2012, wenn der Journalist in den Ruhestand geht.

Wer 1968 zum „Rotfunk“ in Köln ging, musste eigentlich links, libertär und extrem locker sein. Sonne aber, geboren am 4. Mai 1947 in Riedenburg, kam über andere Wege zum WDR. Er hatte beim „Kölner Stadtanzeiger“ ein Volontariat absolviert. Nur kurz arbeitete er für das Blatt, um dann als Korrespondent für „United Press International“ in Bonn zu berichten. Das rheinische Großdorf, Regierungssitz in bundesrepublikanischen Zeiten, war der Nabel des politischen Journalismus.

Spuren waren gelegt. Die Arbeit für eine US-Agentur brachte Sonne später als ARD-Korrespondent nach Washington, das Schreiben hat er nie aufgegeben, sich und seine Aufgabe begriff er universal. Als Sonnes „Fachgebiet“ nennt der vom WDR herausgegebene biografische Abriss unbescheiden: „Alle Fachgebiete der Bundespolitik.“

Der bewegliche und bewegte Journalist wechselte 1981 vom Hörfunk zum Fernsehen, er war Sonderkorrespondent bei ARD aktuell, stellvertretender Chefredakteur WDR Fernsehen, er leitete die prestigeträchtigen ARD-Studios in der US-Kapitale und in Warschau. Seit 1999 berichtet er aus dem ARD-Hauptstadtstudio Berlin, seit 2004 als Korrespondent und Büroleiter des ARD-„Morgenmagazins“. Hier hat er seine eigene Marke begründet. Entweder im Studio an der Wilhelmstraße oder im fußläufig entfernten „Café Einstein“ Unter den Linden bittet er die erste Reihe der Berliner Politik zum Frühstücksgespräch.

Getreu dem Lob von WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn, wonach „der erstklassige journalistische Handwerker“ Sonne sich „nicht mit Informationen aus zweiter Hand zufriedengibt und nicht mit der erstbesten Antwort“, möchte der Journalist die Agenda des Tages mitbestimmen. „Das sind Profis, die wissen alle, was auf sie zukommt“, sagt er zu seiner Hände-hoch-und-alle-Karten-aufden-Tisch-Inquisition.

Aus den vielen Schnatter-Frolleins und Pluster-Buben des Polit- Medien-Milieus ragt Werner Sonne heraus. Einmal wegen seiner Größe, zum anderen wegen seiner Sprödigkeit. Dieser Journalist ist kein Stehrumchen, er redet eher wenig. Was er zu sagen hat, sagt er ins Mikrofon. Oder er schreibt es auf. In Romanen.Joachim Huber

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