Porträt der Gauck-Sprecherin Forudastan : „Jetzt mal von der anderen Seite“

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Ihre eigene Begründung ist die branchenübliche, was man eben so sagt in diesen Fällen: Sie habe, sagt Ferdos Forudastan, lange Politik von außen beobachtet, jetzt wolle sie die Sache auch mal von der anderen Seite sehen. Die Gelegenheit dazu bietet ihr Joachim Gauck. Ab September ist die 51-jährige Journalistin neue Sprecherin des Bundespräsidenten. Man darf darauf durchaus gespannt sein.

Denn Forudastan bringt nicht nur einige Jahrzehnte journalistischer Erfahrung unter anderem bei der „taz“ und der „Frankfurter Rundschau“ mit nach Berlin, sondern auch einen eigenen Kopf. Gauck bekommt eine Sprecherin, die ihre Funktion sicher nicht darin beschränkt sieht, die nächsten Termine des Staatsoberhaupts bekannt zu geben. Da kommt eine, die immer das getan hat, was ihr neuer Chef sich ebenfalls zugute hält: selbst zu denken.

Das kann, wenn beide harmonieren, außerordentlich produktiv werden. Gaucks Hauptmotiv bei der Auswahl der sensiblen Personalie dürfte in Forudastans Herkunft liegen. Die kleine Frau mit dem markanten dunklen Schopf ist als Tochter einer Deutschen und eines Iraners in Freiburg geboren und dort und in der Schweiz aufgewachsen. Die Familie lebte später sieben Jahre lang in Isfahan und Teheran; mit 18 Jahren kehrte Forudastan nach Deutschland zurück.

Das Schicksal der Migranten und „Zweiheimischen“, wie sie das in einem ihrer Bücher nennt, treibt sie seit Jahrzehnten um. Der Ostdeutsche Gauck hingegen weiß wenig von den Befindlichkeiten und erregten Identitätsdebatten, die die von ihm repräsentierte Republik über ihre Zuwanderer bis heute führt. Seine neue Sprecherin kann ihm über Klippen helfen.

Forudastan, verheiratet mit dem früheren nordrhein-westfälischen Grünen-Politiker und Sportfunktionär Michael Vesper, kennt sich aber auch im allgemein Politischen aus. Als Korrespondentin in Bonn war sie für die CDU zuständig und den ewigen Kanzler Helmut Kohl. Gemocht hat sie den nicht, zu verstehen versucht hat sie ihn und seine Partei immer – was nicht selbstverständlich war in Zeiten, in denen sich selbst informelle Gesprächskreise nach Parteibuch sortierten. Einige ihrer geschätzten Gesprächspartner wird sie wiedertreffen, wenn sie jetzt vom Rhein an die Spree umzieht – Peter Altmaier zum Beispiel, der damals als Junger Wilder über eine schwarz- grüne Zukunft nachdachte und heute als Umweltminister vollauf damit beschäftigt ist, das alte Zukunftsprojekt in seiner Person zu vereinen.

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