PORTRÄT DMITRI DJOMUSCHKIN RUSSISCHER NEONAZI: : „Die deutsche Nation ist tot“

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In einer der sensibelsten Regionen Russlands – in der Ostsee- Exklave Kaliningrad, dem einstigen Königsberg – will sich ein Neonazi um das Amt des Oberbürgermeisters bewerben: Dmitri Djomuschkin. Der bekennende Hitler- Verehrer und Holocaust-Leugner profitiert von den Lockerungen der Wahlgesetzgebung, zu denen sich Kreml und Regierung nach den Massenprotesten im Winter genötigt sahen. Sie erlauben auch Unabhängigen und Vertretern von Parteien, die nicht in den Regional- oder Stadtparlamenten sitzen, sich um den Posten des regionalen Verwaltungschefs oder des Oberbürgermeisters zu bewerben. Laut der Nachrichtenagentur Interfax sammelt in Kaliningrad eine Initiativgruppe, zu der auch Liberale gehören, Unterschriften für die Registrierung von Djomuschkin.

Dem geht ein Ruf wie Donnerhall voraus: Mit knapp 20 gründete Djomuschkin 1999 die halblegale „Slawische Union“. Beide Worte beginnen im Russischen mit einem S. In Runenschrift zieren der Doppelbuchstabe und ein Hakenkreuz das Emblem und die Website des Vereins mit zahlreichen Links zum schriftlichen Nachlass Adolf Hitlers. Djomuschkin und seine Neonazis machen aggressiv Stimmung gegen die Kaukasier – die Bürger Russlands sind – und gegen Migranten, vor allem bei den „Russischen Märschen“. Alljährlich zum Nationalfeiertag am 4. November ziehen Tausende durch die Straßen von Großstädten, die Hand zum Hitlergruß erhoben und fremdenfeindliche Parolen grölend. Djomuschkin gehörte 2001 auch zu den Gründungsmitgliedern der „Nationalen Staatspartei Russlands“. Der versagte das Justizministerium wegen Extremismus jedoch die Zulassung. Djomuschkin verfolgt das Ziel einer internationalen Bewegung. Auf die übrigen Europäer setzt er dabei nicht: „Die deutsche Nation ist tot. Deutschland ist für mich Türkenland und Frankreich ist Algerien.“

Beobachter sehen zwar weltweit Rechtsextremisten auf dem Vormarsch, halten sie jedoch nicht für mehrheitsfähig. Zumal bei Bürgermeisterwahlen, wo es weniger um Ideologie als um Verwaltungserfahrung geht. Bei den Wahlen zum Moskauer Stadtparlament 2005 wollte dennoch fast jeder Zweite für die ultranationalistische Rodina-Partei stimmen. Hauptgrund: ein kaukasierfeindlicher Fernsehspot. Der führte zwar zum Verbot der Partei, ihr Chef Dmitri Rogosin wurde von Präsident Wladimir Putin aber mit dem Posten als Russlands Botschafter bei der Nato belohnt. Elke Windisch

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