• PORTRÄT DMITRI ROGOSIN PUTINS MANN FÜR DAS GROBE:: „Die Nato hat sich in einen Bus verwandelt“

PORTRÄT DMITRI ROGOSIN PUTINS MANN FÜR DAS GROBE: : „Die Nato hat sich in einen Bus verwandelt“

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Man muss ihn nicht mögen, kann ihm den Respekt aber nicht versagen. Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin ist der beste Mann, den Moskau je in Brüssel hatte. Hochintelligent, belesen, mit Verhandlungsgeschick und Gespür für die Schwächen des Gegners holte er für Russland selbst in schwierigen Situationen das Maximum heraus, auch wenn seine Art manchmal undiplomatisch wirkt. „Die Nato hat sich in einen Bus verwandelt, dessen Insassen mehrheitlich Schwarzfahrer sind“, sagte er kürzlich und meinte die Osteuropäer. Denn der Westen hatte Moskau bei der deutschen Wiedervereinigung zugesagt, das westliche Militärbündnis würde sich nicht über Oder und Neiße hinweg ausdehnen. Dennoch soll Rogosin demnächst zurück nach Moskau gehen.

Premier Wladimir Putin soll Rogosin die Rolle eines Zugpferds für die Nationalisten bei den Parlamentswahlen im Dezember zudenken. Da könnte etwas dran sein: Umfragen zeigen, dass die Regierungspartei „Einiges Russland“ nicht einmal mit Unterstützung von Putins neuer konservativer Sammlungsbewegung ihre Zweidrittelmehrheit halten kann.

Ohne diese hätte sich auch Putins erneute Präsidentschaftskandidatur erledigt. Allein mit der absoluten oder gar nur der relativen Mehrheit wären seinem Gestaltungswillen Grenzen gesetzt. Gebraucht wird daher ein Zugpferd, das den Status quo konserviert. Rogosin ist dafür erste Wahl: Der charismatische, noch nicht einmal 48-jährige Rogosin kommt nicht nur bei Patrioten, sondern auch bei jungen, besser verdienenden Großstädtern an, die sonst die Wahlen schwänzen. Denn Rogosin ist der politische Nachlassverwalter des 2002 verstorbenen Generals Alexander Lebed, der Boris Jelzin 1996 mit christlich verbrämtem großrussischen Chauvinismus und Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit die nötigen Mehrheiten für die Wiederwahl beschaffte.

Beim Wahlvolk ähnlich populär, wurde Rogosin 2008 als Botschafter zur Nato geschickt. Seinen politischen Ehrgeiz sollte er im verbalen Schlagabtausch mit den einstigen Gegnern des Kalten Krieges austoben, statt Putin mit der Gründung einer neuen Oppositionspartei herauszufordern. Das Mitgliedsbuch des „Kongresses der Russischen Gemeinden“, den er mit Lebed gegründet hatte, trägt Rogosin dennoch weiter bei sich. Im Mai bekam der „Kongress“ die Zulassung als Partei. Das schafften in den letzten zehn Jahren nur kremltreue Gruppierungen. Elke Windisch

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