• PORTRÄT GERHARD LUDWIG MÜLLER BISCHOF VON REGENSBURG:: „Ich bin nicht verantwortlich“

PORTRÄT GERHARD LUDWIG MÜLLER BISCHOF VON REGENSBURG: : „Ich bin nicht verantwortlich“

Martin Gehlen

Der bayerische Oberhirte ist sich keiner Schuld bewusst. Selbst Jesus habe Jünger berufen, die ihn später verraten hätten, reagierte Gerhard Ludwig Müller auf Vorhaltungen, er trage als Bischof Mitverantwortung für den Kindesmissbrauch durch den 39- jährigen Pfarrer von Riekofen. Ein Gutachter habe fälschlich bescheinigt, dass der vorbestrafte Priester keine Gefahr mehr für Kinder darstelle. Und „die Verantwortung für eine Straftat trägt der Täter. Ich bin nicht verantwortlich für alles, was unsere Geistlichen und Mitarbeiter tun“, sagte Müller, der seit fünf Jahren an der Spitze von Bayerns flächenmäßig größtem Bistum steht. Seinen Kritikern wirft er vor, eine Kampagne gegen ihn zu führen, und drohte ihnen sogar rechtliche Schritte an. Doch nun verlangen auch seine Bischofskollegen energisch nach Aufklärung.

Es ist nicht das erste Mal, dass der ehrgeizige und autoritär regierende Ortsbischof, der sich Hoffnungen auf den Münchner Erzbischofssitz macht, kräftig aneckt. In Regensburg hat der 59-Jährige kritische Pfarrer suspendiert, einen Universitätsprofessor entmachtet und unbequeme Laienkatholiken pauschal verteufelt. Einem Religionslehrer entzog Müller die Lehrerlaubnis, weil er sich in einem Leserbrief für die Frauenordination eingesetzt hatte. Das war selbst dem Vatikan zu viel: Vom obersten Gericht der apostolischen Signatur wurde diese Sanktion im Februar annulliert, „da sie offensichtlich jeglicher Grundlage entbehrt“.

Im November 2005 trieb Müller dann seine Streitigkeiten mit den Laien seines Bistums auf die Spitze. Er schaffte den Diözesanrat und die Dekanatsräte ab und ersetzte sie durch ihm genehme Gremien. Die üblichen Zahlungen seines Bistums an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die Organisation katholischer Laien, stellte er ein. Sogar die Vorsitzenden der Deutschen und der Bayerischen Bischofskonferenzen, die Kardinäle Karl Lehmann und Friedrich Wetter, gingen damals auf Distanz zu ihrem Regensburger Kollegen.

Kritiker werfen Müller vor, er habe einen zu großen Abstand zu den Gläubigen – nicht zuletzt, weil er wenig Erfahrung als Seelsorger habe. Vor seiner Weihe zum 77. Bischof von Regensburg war Müller hauptsächlich als Wissenschaftler tätig. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Theologie in Mainz, München und Freiburg. 1977 promovierte und 1985 habilitierte er bei Karl Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Martin Gehlen

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