PORTRÄT HARALD STENGER ENTLASSENER DFB-PRESSECHEF: : „Ich hätte gerne weitergemacht“

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Beim Deutschen Fußball- Bund (DFB) sind sie inzwischen geübt im Aussortieren. Bei Michael Ballack tat es noch weh, dem letzten Präsidenten Theo Zwanziger wurde vor der Europameisterschaft der Abgang nahe- und noch einmal nähergelegt. Am Dienstag erwischte es den langjährigen DFB-Pressechef und jetzigen Sprecher der Nationalmannschaft, Harald Stenger. Der 61-Jährige war bekannt geworden durch die täglichen Pressekonferenzen mit Bundestrainer Joachim Löw und den Spielern bei großen Turnieren sowie wegen seines massiven Körpereinsatzes nach dem Viertelfinale der WM 2006. Damals wehrte sich Stenger gemeinsam mit dem (längst aussortierten) Nationalspieler Torsten Frings gegen ausrastende Argentinier.

„Ich werde jetzt versuchen, die Enttäuschung zu verarbeiten“, ließ Stenger auf Nachfrage wissen. Der DFB teilte durch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff mit, man freue sich auf das „junge, frische Gesicht“ von Nachfolger Jens Grittner: Der ist seit 1999 in der DFB-Pressearbeit tätig und gilt als integer und kommunikativ.

Die Personalie erzählt viel über Umbrüche und Macht in der Frankfurter DFB-Zentrale. Seit dem Amtsantritt von Präsident Wolfgang Niersbach im Frühjahr rücken Vertraute wie der neue Generalsekretär Helmut Sandrock nach. Niersbach, beim WM-Titelgewinn 1990 noch selbst Pressechef und seitdem enger Kumpel von Franz Beckenbauer, scheint insbesondere die Beziehungen zum Axel- Springer-Verlag zu pflegen, aus dem etwa der amtierende Mediendirektor Ralf Köttker zum DFB stieß. Zuletzt wurde die Personalie des neuen DFB-Sportdirektors Robin Dutt via „Bild“-Zeitung bekannt, die Pressestelle kommentierte den Vorgang bis zu dessen Vorstellung fast einen Tag lang nicht. Noch ist offen, wie sich hier Grittner positioniert. Als Pressechef der WM 2006 und der Frauen-WM 2011 leistete der 41-Jährige jedenfalls tadellose Arbeit. Ein Vertrauter von Niersbach ist Grittner in jedem Fall.

Hinter den personellen Veränderungen steht die Frage nach dem Zugriff des DFB auf die eigenständig und zuweilen eigenwillig agierende Nationalmannschaft. Löw, nach dem EM-Aus im Halbfinale intern geschwächt, hatte sich 2010 noch für den bei den Spielern beliebten Stenger stark gemacht und ihn zur Nationalelf geholt. Diesmal hat sich offenbar der Wunsch der Funktionäre durchgesetzt. Auch für Löw könnte das ein Signal sein. Robert Ide

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