• PORTRÄT HEINZ-CHRISTIAN STRACHE FPÖ-PARTEICHEF:: „Nächstenliebe für unsere Österreicher“

PORTRÄT HEINZ-CHRISTIAN STRACHE FPÖ-PARTEICHEF: : „Nächstenliebe für unsere Österreicher“

Ingo Hasewend
Foto: AFP
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Er rappt, treibt Sport, postet bei Facebook und zieht am Wochenende durch die Diskotheken. Heinz-Christian Strache pflegt sein Image als Berufsjugendlicher. So trat er auch nicht im Anzug an die Wahlurne wie andere Parteichefs, der FPÖ-„Bundesparteiobmann“ gab gestylt mit Sakko, Jeans und grauem Seidenschal in seiner Heimatstadt Wien die Stimme ab. Danach ging er mit Freundin Andrea in ein Fitnessstudio. Da wusste er noch nicht, dass er seine rechtspopulistischen Freiheitlichen im Süden Österreichs zur stärksten politischen Kraft gemacht hatte. Auch wenn er das „blaue Wunder“ in Anlehnung an die Parteifarbe knapp verpasst hat und landesweit drittstärkstePartei bleibt, ist Österreich nach Straches aggressivem Wahlkampf wieder nach rechts gerückt.

Viele Jahre ist er als schlechte Kopie Jörg Haiders bezeichnet worden. Mit diesem Wahlerfolg ist der politische Ziehsohn des verstorbenen Rechtspopulisten aus dessen übermächtigem Schatten herausgetreten. „Haaazeh, Haaazeh“, bejubeln ihn seine Anhänger – ohne HC Strache geht bei den Freiheitlichen derzeit nichts.

Dabei bedient sich Strache nicht mehr nur platter ausländerfeindlicher Parolen wie im Wahlkampf 2006 mit „Daham statt Islam“. Er gibt den gläubigen Christen und ließ sich 2009 firmen. Dieses scheinheilige Bild trieb er im jüngsten Wahlkampf auf die Spitze und plakatierte „Nächstenliebe für unsere Österreicher“. Dass dahinter auch Fremdenhass für Nichtösterreicher steckte, überließ er dem Gedankenspiel der Andersdenkenden. Im Spiel der Doppeldeutigkeiten ist der zweifache Vater seinem Vorbild Haider inzwischen nahe gekommen. Immer seltener muss er sich dafür verspotten lassen, dass er Zahntechniker ohne Abitur ist. Strache geht mit solchen Angriffen mittlerweile geschickt um. Wenn er poltert, dann bei politischen Auftritten, bei denen er die Alltagsnöte und Ängste der Österreicher gezielt zu treffen scheint. Harte Angriffe auf Ausländer sind einer neuen Argumentation gewichen: Er sei jetzt ein Feind einer falschen Ausländerpolitik.

Doch seine braune Vergangenheit verschwindet dadurch nicht. Immer wieder tauchen Jugendfotos bei wehrsportähnlichen Übungen im Wald auf. So ist er auch Mitglied der schlagenden deutschnationalen Burschenschaft „Vandalia“ und forderte 2004 einen Salzburger Arzt zum Säbelduell mit stumpfen Klingen heraus, nachdem dieser ihn beleidigt hatte. Ingo Hasewend

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