Porträt : „Ich mache jetzt Wind“

Fritz Vahrenholt. Klimaskeptiker

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Fritz Vahrenholt
Fritz VahrenholtFoto: picture-alliance/ dpa

Mit diesen Worten hat Fritz Vahrenholt vor gut zehn Jahren seinen Wechsel vom Ölkonzern Shell an die Spitze des Windmühlenbauers Repower beschrieben. Mit 62 Jahren geht der Ex-Politiker und Manager nun wieder einmal in seinem Leben auf Konfrontationskurs. Am heutigen Montag wird sein Buch „Die kalte Sonne: Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“ veröffentlicht. Seit ein paar Jahren behauptet Vahrenholt, dass die globale Erwärmung seit 1998 zum Stillstand gekommen sei. Das lässt sich zwar mit keiner Temperaturmessung weltweit beweisen, ist unter Klimawandel-Skeptikern aber eine beliebte These.

Dass Vahrenholt zu den Leugnern des Klimawandels gehören will, ist konsequent. Seine Karriere als ewiger Provokateur hat links angefangen, als Sozialdemokrat mit ökologischem Bewusstsein. Der Bestseller „Seveso ist überall“ nach der Dioxinkatastrophe in Italien hat ihn bekannt gemacht, es folgten Stationen der Wissenschaft und in Umweltbehörden, von 1991 bis 1997 war er Umweltsenator in Hamburg.

Nachdem die SPD die Wahl verloren hatte, wechselte Vahrenholt zu Shell. Der Ölkonzern, der sich gerade in einer Auseinandersetzung mit Greenpeace über die geplante Versenkung der Ölförderplattform Brent Spar in der Nordsee befand, brauchte einen grünen Anstrich. Den hat Vahrenholt erledigt. Er baute für Shell das inzwischen wieder eingestellte Solargeschäft auf. Als er mit der Umstrukturierung des britisch-niederländischen Mutterkonzerns einen Großteil seiner Kompetenzen verlor, wechselte er ins Windgeschäft, gerade, als die Windräder zum Feindbild vieler Bürger zu werden begannen. Vahrenholt wollte natürlich auch mit Repower hoch hinaus und hatte Erfolg. Repower-Windräder stehen inzwischen im Meer vor den Küsten Dänemarks und Großbritanniens, die Firma gehört nun zur indischen Suzlon-Gruppe. Vahrenholt zog weiter zu Innogy, der Erneuerbare-Energien-Tochter des Atomstrom-Konzerns RWE, und damit so weit weg von seiner ökologischen Vergangenheit wie nur möglich. Folgerichtig befürwortete Vahrenholt die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, denn nur diese Einnahmen hätten Innogy zu einem ernst zu nehmenden Spieler in der Erneuerbare-Energien-Branche machen können. Jetzt geht Vahrenholt mal wieder. Bleibt nur noch das intellektuelle Ghetto der Klimaskeptiker. Willkommen im Abseits, Herr Vahrenholt.

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