Porträt : „Ich schätze Demokratie außerordentlich“

Gut eine Woche ist es nun her, dass Leung Chun-ying zum neuen Regierungschef von Hongkong bestimmt wurde. Doch die Proteste gegen den Multimillionär halten an. Den Menschen in der Stadt gilt er als Vasall Pekings.

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Nur eine Woche nach seiner umstrittenen Wahl zum Verwaltungschef Hongkongs musste sich Leung Chun-ying erneut unfreundliche Worte anhören. „Nieder mit Leung Chun- ying“ oder „Der Wolf ist da“ skandierten tausende Demonstranten am Wochenende in Hongkong. Im Wahlkampf hatte er den Spitznamen „Wolf“ bekommen, weil er als rücksichtsloser Machtmensch gilt. Sogar Beziehungen zur Mafia soll der 57-Jährige unterhalten.

Der Polizistensohn, der nach einem Wirtschaftsstudium in Großbritannien und Hongkong zum Immobilienberater und Multimillionär aufgestiegen ist, wird von den meisten nicht als Vertreter Hongkongs empfunden – sondern als Pekings Vasall. Dafür ist vor allem der Wahlmodus verantwortlich: In Hongkong gilt seit der Rückgabe an China 1997 das politische Prinzip „ein Land, zwei Systeme“. Demnach wird der Verwaltungschef zwar gewählt, allerdings nur von 1193 Wahlmännern aus Hongkongs Eliten, die mehrheitlich auf Peking hören. Bestes Indiz dafür war die jüngste Wahl, in der Peking zunächst den Konkurrenten Henry Tang favorisierte und plötzlich Leung Chun-ying unterstützte. Prompt erhielt dieser im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von 689 Stimmen.

Der Vater zweier Kinder soll auch geheimes Mitglied der in Hongkong verbotenen Kommunistischen Partei sein; er selbst hat das stets dementiert. Mindestens ungeschickt verhielt sich Leung Chun-ying freilich, als er unmittelbar nach seiner Wahl eine Stunde im Pekinger Verbindungsbüro in Hongkong verbrachte. Für viele Hongkonger bewies das erneut, dass der zukünftige Regierungschef seine Anweisungen vom Festland entgegennimmt. Sie fürchten, dass er vom Grundgesetz geschützte Werte wie Meinungs- und Pressefreiheit oder Versammlungsfreiheit gefährden könnte. Leung Chun-ying versuchte, die Demonstranten in einer Stellungnahme zu beruhigen: „Ich schätze Freiheit, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit außerordentlich, das alles sind Grundwerte Hongkongs.“

Er wolle sich an das vom chinesischen Staatslenker Deng Xiaoping eingeführte Prinzip halten: Die Hongkonger regieren Hongkong. Ob Leung Chun-ying das einhält, wird sich ab seinem Amtsantritt am 1. Juli zeigen. Andernfalls könnten die Hongkonger ihre Stadt erst ab 2017 wirklich regieren: Für diesen Zeitpunkt hat Peking das allgemeine Wahlrecht für Hongkong angekündigt.

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