• PORTRÄT LEO STEFAN SCHMITT EX-SOZIALDEMOKRAT, DIE LINKE:: „Die SPD hat ihre Wähler betrogen“

PORTRÄT LEO STEFAN SCHMITT EX-SOZIALDEMOKRAT, DIE LINKE: : „Die SPD hat ihre Wähler betrogen“

Matthias Meisner

Das Besondere an Leo Stefan Schmitt ist, dass ihn in seiner alten Partei, der SPD, eigentlich niemand wirklich kennen musste – aber dass dort jetzt, nachdem er alles hingeschmissen hat, so ziemlich alle von ihm wissen. Schmitt war bis zum Sonntag Fraktionsgeschäftsführer der SPD in Sachsen, in einem Landesverband also, in dem die Genossen so schlecht dastehen wie in keinem anderen Land der Republik. Nach 35 Jahren Mitgliedschaft gab Schmitt an seinem 55. Geburtstag sein Parteibuch ab. Die SPD-Landtagsfraktion sperrte ihm umgehend Codekarte und Diensthandy, gestern trat Schmitt der Linken bei – in Oskar Lafontaines Bürgerbüro in Saarlouis.

Bei der Linken ist er nun Hoffnungsträger, weil es andere von seiner Sorte kaum gibt. Die Linkspartei unter Führung von Lafontaine will sich im Westen verankern. Seit ihrem Vereinigungsparteitag hat sie zwar nach eigenen Angaben 3000 neue Mitglieder gewonnen, allein diese Woche traten 60 Betriebsräte und Gewerkschafter geschlossen ein. Doch die WASG, die sich mit der PDS zusammengetan hat, bringt nach internen Schätzungen womöglich nur 5000 statt der erhofften über 11 000 neuen Genossen – viele der registrierten Mitglieder waren nur Karteileichen. An prominenten Ex-Sozialdemokraten mangelt es – auf Lafontaine folgte noch der langjährige baden-württembergische SPD-Chef Ulrich Maurer, nun Beauftragter der Linken für den Westaufbau. Andere wie der ehemalige SPD-Sozialpolitiker Rudolf Dreßler zögern, während sich die Linke vom Beitritt solcher Prominenz den „Einbruch in SPD-Potenziale“ verspricht.

Gefeiert wird nun Schmitt. In die Mikrofone, die man diese Woche im Karl-Liebknecht-Haus, seiner neuen Parteizentrale, für ihn aufgestellt hat, sagt er bereitwillig, dass die SPD ihre Wähler in allen Bundestagswahlkämpfen seit 1998 „betrogen“ habe. Oder dass sie „starr und festgelegt“ sei. Maurer bestreitet, dass er seinen „alten Freund“ mittels einer „Umgarnungsstrategie“ abgeworben habe. Man muss das nicht glauben. Obwohl Schmitt von seinen Altersbezügen als früherer Landtagsabgeordneter im Saarland – 19 Jahre lang – ganz gut leben könnte, bekommt er von der Linken einen neuen Posten als Mitarbeiter der Bundestagsfraktion. Kümmern soll er sich vor allem um Nordrhein-Westfalen, wo die Linke in Städten wie Köln, Bochum und Duisburg zwar viele Mitglieder, aber praktisch keine Strukturen hat.Matthias Meisner

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