PORTRÄT LOUIS DE WOHL DEUTSCHER ASTROLOGE: : "Ich hatte genug von Hitler"

Zwischen 1940 und 1943 erstellte Louis de Wohl Hunderte von Horoskopen für Adolf Hitler. Er versuchte so, dessen nächste militärische Schritte vorherzusagen.

Moritz Schuller

Im Schutze der Nacht waren die drei deutschen Spione 1940 bei Skibereen an der irischen Südküste an Land gegangen. Ihr Ziel: ein Anschlag auf den Buckingham Palace. Doch noch am gleichen Abend wurden sie von der Polizei aufgegriffen und der Sprengstoff, versteckt in Konservendosen mit der Aufschrift „französische junge Erbsen“, sichergestellt.

Nun präsentiert das britische National Archive in Kew Gardens, in dem auch die Unterlagen zu den drei Saboteuren lagern, eine weitere Skurrilität aus jener Epoche: Im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland nahm der britische Geheimdienst Special Operations Executive (SOE) offenbar die Hilfe eines deutschen Astrologen in Anspruch. Zwischen 1940 und 1943 erstellte Louis de Wohl Hunderte von Horoskopen für Hitler und versuchte so, dessen nächste militärischen Schritte vorherzusagen. De Wohl hatte die Briten davon überzeugen können, dass auch Hitler an die Kraft der Sterne glaube, vor allem an die Deutungen des Astrologen Karl Ernst Krafft. De Wohl, der Gäste zigarrerauchend in einem Morgenmantel empfing, schuf sich so den Ruf eines geheimnisvollen Sehers. Und trotz der Warnungen des Inlandsgeheimdienstes MI 5, de Wohl sei ein „Scharlatan“, leitete der ab 1940 das „Büro für psychologische Forschung“ in London. Er sei ein „äußerst eitler Mann“, hieß es beim MI 5, „mit der deutschen Liebe für Uniformen und Dienstgrad“.

De Wohl wurde 1903 in Berlin als Ludwig von Wohl geboren, wo er vor seiner Emigration als erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor arbeitete. 1935 kam de Wohl nach London – „Ich hatte genug von Hitler“ – und seine dort veröffentlichte Autobiografie „I follow my Stars“ weckte offenbar das Interesse des SOE. Später schickte ihn der Geheimdienst sogar in die USA, mit Hitler-Horoskopen im Gepäck, um die Amerikaner davon zu überzeugen, dass Hitler verwundbar sei. Dort machte man sich jedoch eigene Gedanken über den Seelenzustand Hitlers: 1943 verfasste der Harvard-Psychologe Henry A. Murray das 53-seitige Psychogramm „Analysis of the Personality of Adolph Hitler“.

Nach dem Krieg lebte de Wohl in der Schweiz, wo er sich als Schriftsteller katholischen Themen widmete. 1961 starb er in Luzern. Dass Hitler überhaupt ein Interesse an Astrologie gehabt habe, hält der Historiker Christopher Andrews für Unsinn. Und: Auch das Erbsenattentat auf den Königspalast hatte de Wohl nicht vorhergesagt. Moritz Schuller

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