• PORTRÄT MICHAEL HARTMANN SPD-INNENPOLITIKER:: „Wer bescheiden bleibt, kann einiges bewegen“

PORTRÄT MICHAEL HARTMANN SPD-INNENPOLITIKER: : „Wer bescheiden bleibt, kann einiges bewegen“

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Foto: Deutscher Bundestag
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Es sind große Fußstapfen, in die Michael Hartmann tritt, der neue innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Sein Vorgänger Dieter Wiefelspütz übte diese Funktion seit Herbst 1998 aus und war damit zu einer Institution im Bundestag geworden. Antworten auf völlig neue Herausforderungen musste die Innenpolitik in diesen 13 Jahren finden, vor allem, nachdem die Terroranschlägen vom 11. September 2011 die Welt erschüttert hatten. Der scharfzüngige Jurist Wiefelspütz rang um die Balance von Sicherheit und Freiheit, er baute mit am neuen Staatsbürgerrecht, fand Antworten auf neue Herausforderungen des Internet wie die Cyber-Kriminalität und kritisierte zuletzt scharf den Einsatz der Staatstrojaner.

Weil er im Jahr 2013 nach dann 26 Jahren im Bundestag nicht mehr zur Wahl antreten will, machte der mittlerweile 65-Jährige mit dem markanten Haarschopf nun den Weg frei für einen jüngeren Innenpolitiker. Der musste sich am Dienstag in einer Kampfabstimmung durchsetzen, übrigens der ersten in der seit 2009 von Frank-Walter Steinmeier geführten SPD-Fraktion. Die Mitglieder der fraktionseigenen Arbeitsgruppe Inneres hatten sich zwar mit einer Stimme Mehrheit für den 62-jährigen Gießener Rechtsanwalt Rüdiger Veit ausgesprochen, einen Integrationsexperten und Vertreter der Parteilinken. Doch die Mehrheit der Abgeordneten votierte dann klar für den Mainzer Michael Hartmann.

Womöglich ist der 48-jährige Abgeordnete auch ein glaubwürdigerer Vertreter des sozialdemokratischen Schutzversprechens. Schon von seiner robusten Statur her wirkt der Rheinland-Pfälzer wie geschaffen für das raue Politikfeld der inneren Sicherheit. Hartmann, der gern im schwarzen Dreiteiler auftritt, kennt das Metier, seit er zwischen 1999 und 2002 Sprecher im rheinland-pfälzischen Innenministerium war. Der Nicht-Jurist meidet das Fachchinesisch und bemüht sich um eine verständliche Sprache. Die Fraktion überzeugte der pragmatische Politiker offenbar auch mit seiner Leistung als Obmann im BND-Untersuchungsausschuss und Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums.

In seinem Wahlkreis arbeitet Hartmann schwer daran, den Kontakt zu den Menschen zu halten. „Ich bin ein Otto Normalabgeordneter“, hat der neue Chef-Innenpolitiker einmal gesagt. „Wenn man sich nicht überschätzt, kann man in der Politik einiges bewegen.“ Nun hat er Gelegenheit, genau dies zu beweisen. Hans Monath

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