• PORTRÄT NARENDRA MODI INDISCHER OPPOSITIONSFÜHRER:: „Menschen aus aller Welt werden kommen“

PORTRÄT NARENDRA MODI INDISCHER OPPOSITIONSFÜHRER: : „Menschen aus aller Welt werden kommen“

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Foto: Reuters Foto: REUTERS
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Narendra Modi versteht es, den politischen Gegner zu reizen. Begleitet von einer marktschreierischen Kampagne legte Indiens Oppositionsführer am Donnerstag den Grundstein für ein gigantisches Monument, das er auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaats Gujarats errichten lassen will: 182 Meter und damit „doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue“ solle die weltgrößte Figur in die Höhe ragen, prahlte Modi.

Der Plan ist provokant. Denn die „Statue der Eintracht“, wie Modi sie taufte, soll den Politiker Sardar Patel (1875–1950) verkörpern. Der frühere Innenminister ist ein Unabhängigkeitsheld der Kongresspartei. Deren Granden toben: Sie werfen Modi und seiner Hindupartei BJP vor, einen ihrer Parteiheiligen für den Wahlkampf einzuspannen. „Nun werden Menschen aus aller Welt hierher kommen, um dieses Wunder zu sehen“, sagte Modi bei der Grundsteinlegung.

Zwar wählt Indien erst im kommenden Frühjahr ein neues Parlament, doch schon jetzt zeichnet sich ein hitziger Wahlkampf ab. Modi will die Gandhi-Dynastie vom Thron stoßen, die über ihren ergebenen Statthalter Manmohan Singh seit zehn Jahren regiert. Dabei ist kein anderer Politiker in Indien so umstritten wie der 63-jährige Ministerpräsident von Gujarat. Bis heute wird er mit einem Massaker 2002 in Verbindung gebracht, bei dem Hindufanatiker mehr als 1000 Muslime in Gujarat töteten. Zwar wurde Modi nie verurteilt, aber viele Inder glauben, dass er das Blutbad geduldet, vielleicht sogar heimlich dirigiert hat.

Inzwischen bemüht sich Modi, den Ruf des Muslimhassers abzustreifen. Vor allem unter den jungen Indern genieße der für seinen bescheidenen Lebensstil bekannte Junggeselle fast Rockstarstatus, schreibt der „Indian Express“.

Viele Inder sehnen sich nach einer Alternative zur Kongresspartei, die in ihren Augen abgewirtschaftet hat. Modi könnte dabei im konservativen „Kuhgürtel“ Nordindiens punkten, doch in anderen Regionen schürt sein aggressiver Stil nach wie vor Misstrauen. Der Regierungschef von Bihar, Nitish Kumar, der bisher mit seiner Partei Janata-Dal auf Bundesebene mit der BJP koalierte, nannte Modi kürzlich einen „Faschisten“ und verglich ihn mit Hitler. So könnte Modi am Ende doch über seine Vergangenheit stolpern. Zwar liegt er in den Umfragen vor Rahul Gandhi, dem Sohn von Kongresschefin Sonia Gandhi. Doch selbst wenn die BJP größte Partei würde, bräuchte sie wohl einen Koalitionspartner.Christine Möllhoff

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