• PORTRÄT OLIVER FUCHS ZDF-UNTERHALTUNGSCHEF:: „Fernsehen ist nur ein Spiegel der Gesellschaft“

PORTRÄT OLIVER FUCHS ZDF-UNTERHALTUNGSCHEF: : „Fernsehen ist nur ein Spiegel der Gesellschaft“

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Foto: picture-allianceFoto: picture-alliance / Sven Simon

An diesem Freitag, wenn der ZDF-Verwaltungsrat den Personalvorschlag von Programmdirektor Norbert Himmler bestätigt, wird Oliver Fuchs von Manfred Teubner, 62, die ZDF-Hauptredaktion Show übernehmen. Aus dem Alter von Himmler, 41, und Fuchs, 44, ist abzulesen, was beabsichtigt ist: die Maxime von Intendant Thomas Bellut, das Durchschnittsalter des ZDF-Publikums von 61 auf 60 Jahre abzusenken, Wirklichkeit werden zu lassen.

Das ist eine enorme Aufgabe. Die Zuschauer nennen die Shows des ZDF, vom nachmittäglichen Kochen bis zum abendlichen Raten, „wenig präsent“, „wenig besonders“, der Eindruck von „Monotonie“ und „Stagnation“ wird vermittelt. Brav, bieder, bodenständig, das sind noch die positivsten Urteile. Jetzt kommt Oliver Fuchs. Auf den ersten Blick könnte das heißen: Kommerziell kontaminierter Trash-Mann zieht beim öffentlich- rechtlichen Trutschen-Sender ein.

Der Schweizer ist seit einem abgebrochenen Studium des Fotoingenieurwesens im TV-Geschäft. Nach einigen Stationen bei führenden Adressen wurde er 2003 Geschäftsführer der Eyeworks Germany GmbH in Köln, der deutschen Tochter des weltweit fünftgrößten unabhängigen TV-Produktionsunternehmens aus den Niederlanden. Fuchs und seine Mitarbeiter produzieren, was der Markt der privaten wie der öffentlich-rechtlichen Sender braucht oder zu brauchen glaubt.

Also für RTL 2 das Format „Berlin – Tag und Nacht“, für Vox die Doku „Immer am Ball – Lothar Matthäus“, für RTL „Rach, der Restauranttester“ und „Der große Deutsch-Test“, für ZDFneo „Das Schrotthotel“, für das ZDF den Krimi „Wilsberg“. Zwischen beinhart und beachtlich fehlt nichts.

Fuchs, verantwortlich für die strategische, wirtschaftliche und kreative Entwicklung bei Eyeworks, ist erfolgreich. Er sieht Fernsehsender als Kunden, die ihren Kunden, dem Publikum, attraktive Angebote machen sollen. „Fernsehen ist nur ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt er. Den Zuschauer nennt er „mündig“, der wolle authentische Unterhaltung und nicht geblendet werden. Schwere Zeiten für Showtreppe und Grimasse.

Ein Quereinsteiger also auf dem Mainzer Lerchenberg. Das waren auch Vorgänger wie Fred Kogel oder Victor Worms. Die blieben nicht sehr lange. Im ZDF gibt es die normative Kraft des Bestehenden. Fuchs soll Erfolg haben und ein jüngeres Publikum anziehen. Verflixt schwer. Joachim Huber

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