• PORTRÄT ORNA BARBIVAI ISRAELISCHE GENERALIN:: „Frauen müssen auf allen Bühnen singen dürfen“

PORTRÄT ORNA BARBIVAI ISRAELISCHE GENERALIN: : „Frauen müssen auf allen Bühnen singen dürfen“

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Foto: Moti Milrod / Haaretz
Foto: Moti Milrod / Haaretz

Sie ist die erste Generalin der israelischen Armee. Im Juni trat Generalmajorin Orna Barbivai ihren Posten als Chefin der militärischen Personalverwaltung an. Die durchaus chauvinistischen Militärs klopften sich auf ihre Schultern, Verteidigungsminister Ehud Barak lobte sich selbst: Man habe einen historischen Riesenschritt Richtung Gleichberechtigung vollzogen.

Doch Herbst und Winter zogen ins Heilige Land und schon stand die Frau Generalin mitten im stürmischen Gegenwind. Angefacht von den Ultrareligiösen, verstärkt durch orthodoxe Soldaten, denen wiederum einige fanatische, auch überaus nationalistische Rabbiner das Koscher-Siegel für ihre Befehlsverweigerung erteilten. Soldaten mit der Kipa, der religiösen Kopfbedeckung, verlangten, dass keine Soldatinnen bei Armee-Anlässen singen dürften, andernfalls würden sie die Teilnahme an diesen verweigern, denn – so ein mittelalterlicher Rabbinerspruch: „Die Stimme der Frau ist Unzucht“. Dieses Ultimatum erschreckte Armee und Politik. Plötzlich entdeckte die breite Öffentlichkeit eine ultrareligiöse Gruppierung in der Gesellschaft namens „Ausschluss der Frauen“.

Orna Barbivai stellte in der Knesset klar: „Mein Standpunkt, derjenige der Armee und des Generalstabschefs ist es, dass Frauen auf allen Bühnen singen dürfen und dies bei jeder militärischen Zeremonie. Gemäß unserer Auffassung von Würde und Gleichheit muss es den Soldatinnen ermöglicht werden, sich frei auszudrücken.“ Vier Offiziersanwärter, die sich Befehl und weiblichem Gesang verweigert hatten, wurden degradiert, Generalstabschef Benny Ganz ernannte Orna Barbivai zur Vorsitzenden einer Kommission, die die Integration von Frauen in die Armee überprüfen soll.

Doch die Debatte bleibt. So hatte der Oberste Gerichtshof Israels entschieden, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln in ultrareligiösen Quartieren eine Geschlechtertrennung erlaubt sei. Als am Montag ein „gemischter“ Bus durch das ultrareligiöse Jerusalemer Stadtviertel Mea Schearim fuhr, stoppten ihn blindwütige Fanatiker, indem sie Kinderwagen mit plärrenden Babys vor ihm postierten. Der öffentliche Aufschrei nicht nur der Nichtreligiösen, auch der Traditionalisten und gemäßigten Religiösen, bewog auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu der Feststellung: Ein „Ausschluss der Frauen“, deren Verdrängung aus dem öffentlichen Leben, komme nicht infrage. Charles A. Landsmann

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