PORTRÄT PHILIPPE BARBARIN GEGNER DER HOMO-EHE: : „Das Parlament ist nicht Gott“

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Nun hat er doch noch Unterstützung erhalten. Als Kardinal Philippe Barbarin kürzlich die Legalisierung der Homo-Ehe mit den Worten geißelte, danach komme die Polygamie und vielleicht auch noch das Ende des Inzestverbots, stand er allein da wie der Rufer in der Wüste. Zwar lehnt Frankreichs katholische Kirche das Vorhaben der sozialistischen Regierung ab, die standesamtliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare zu erlauben und diesen die Adoption von Kindern zu ermöglichen. Sie vermeidet jedoch die Totalkonfrontation mit dem laizistischen Staat. Mit so starken Worten wie der Erzbischof von Lyon hatten sich allenfalls die Integristen der Organisation „Civitas“ zu diesem Thema geäußert.

So erregt die Stellungnahme Aufsehen, mit der Gilles Bernheim, der Großrabbiner Frankreichs, jetzt in die Debatte eingriff. Mit der Homo-Ehe würde „ein Fundament unserer Gesellschaft“ infrage gestellt, erklärte er. Den Befürwortern der „Eheschließung für alle“ hielt er entgegen, den Unterschied zwischen Mann und Frau aufheben zu wollen. Die Forderung der Toleranz gegenüber allen sexuellen Orientierungen sei „nur das Trojanische Pferd“ im Kampf gegen die Heterosexualität.

Die Frontalangriffe kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Regierung nach einigem Hin und Her anschickt, die von François Hollande im Wahlkampf versprochene Einführung der Homo-Ehe in die Tat umzusetzen. Auf einer der nächsten Kabinettssitzungen soll ein entsprechender Gesetzentwurf auf die Tagesordnung kommen. Anfang nächsten Jahres soll er vom Parlament verabschiedet werden. Doch anders als von Hollande in seinen „60 Engagements für Frankreich“ zugesagt, wird sich das Vorhaben darauf beschränken, homosexuelle Paare bei Eheschließung und Adoption mit heterosexuellen Paaren gleichzustellen. Ein Recht auf künstliche Befruchtung soll lesbischen Paaren jedoch nicht eingeräumt werden.

Das zu erwartende Gesetz wird damit nach Ansicht der Befürworter der Homo-Ehe, deren Ansichten von der Interessenorganisation Inter-LGTB (Lesbian-Gay-Bi- Trans) vertreten werden, nur ein „Minimaltext“ sein. Wenn es dabei bleibt, will die Grünen-Senatorin Esther Benbassa dafür sorgen, dass das Gesetz in der Parlamentsdebatte ergänzt wird. Auch der streitbare Kardinal Barbarin will seinen Kampf für die bestehende Ordnung weiter führen: „Das Parlament ist nicht der allmächtige Gott.“Hans-Hagen Bremer

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