PORTRÄT VERENA BENTELE BEHINDERTENBEAUFTRAGTE: : „Ich bin ein Stehauf- Weiblein“

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Verena Bentele hält es nach ihrer sportlichen Karriere manchmal nicht an ihrem Schreibtisch aus. „Nach einigen Monaten Arbeit habe ich mir nichts mehr gewünscht, als mich mal wieder so richtig zu quälen“, sagte die von Geburt an blinde ehemalige Spitzensportlerin vor einigen Monaten. Also schloss sie sich einer Bergsteigergruppe an und bestieg den 5895 Meter hohen Kilimandscharo und den ebenfalls zum Massiv gehörenden 4500 Meter hohen Mount Meru. Anschließend sagte sie: „Manche Ziele erreicht man aber eher durch Gelassenheit, das erfährt man nirgendwo besser als am Berg.“

So gesehen kann die 31 Jahre alte ehemalige paralympische Athletin in den nächsten vier Jahren viel Gelassenheit brauchen. Denn in ihrer neuen Aufgabe als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung gibt es für sie ebenfalls einen hohen Berg zu bezwingen. Ihre Erfahrung in der Politik ist bisher überschaubar, 2012 trat sie der SPD bei, 2013 zählte sie in Bayern zum Wahlkampfteam der SPD als Expertin für Sport und Inklusion. Zuletzt arbeitete Bentele als freiberufliche Referentin im Bereich Personaltraining. Allerdings hat sie sich sportpolitisch in den letzten Jahren bereits für die Belange behinderter Menschen eingesetzt.

Durch ihre zahlreichen Erfolge im Wintersport zählt Verena Bentele zu den wichtigsten Gesichtern des deutschen Behindertensports. Zwölf Goldmedaillen hat sie im Skilanglauf und Biathlon bei Paralympischen Spielen gewonnen, darunter fünf bei den Spielen vor vier Jahren in Vancouver. Zwischenzeitlich drohte ihr das Karriereende. Bei einem dramatischen Sturz in einen Abgrund erlitt sie einen Kreuzbandriss, Kapselrisse an zwei Fingern und Verletzungen an Leber und Niere. Ihr Begleitläufer, der ihr verbal die Richtung vorgeben muss, hatte links und rechts verwechselt. Trotzdem machte sie weiter. „Ich bin ein Stehauf-Weiblein“, sagte sie. Erst 2011 beendete sie ihre sportliche Karriere.

In dieser konnte sie viel Erfahrung bei öffentlichen Auftritten und im Umgang mit Medien sammeln. Das dürfte ihr nun auch bei ihrer neuen Aufgabe helfen. Nach Vorträgen loben Zuhörer ihre Fähigkeit, Menschen zu motivieren, Mut zu machen und Durchhaltevermögen zu vermitteln. „Im Vordergrund soll immer stehen, was man kann – und nicht, was man nicht kann“, sagt Verena Bentele. Ein Motto, das für ihr ganzes Leben gilt. Nun auch als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung. Benedikt Voigt

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