PORTRÄT WERNER LEITNER HOENESS-VERTEIDIGER : Kleiner Star und großer Fall

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Ein Fußballklub braucht heutzutage nicht nur gute Spieler und gute Manager, sondern auch gute Anwälte. Einer wie der FC Bayern will natürlich die besten. So steht Werner Leitner regelmäßig den Sorgenkindern der Münchner Trophäensammler bei, zuletzt war es der wegen Brandstiftung verurteilte brasilianische Spieler Breno. Nun soll Leitner den wegen Steuerhinterziehung angeklagten Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß vor dem Feuer bewahren, das die Staatsanwälte unter ihm entzündet haben. Bei Breno gelang die Rettung nicht. „Er ist krank und braucht Hilfe“, hatte Leitner damals über Breno gesagt. Über Hoeneß wird er sich eine solche Äußerung verkneifen, auch wenn dieser sich in den Medien als süchtiger Zocker präsentieren ließ. Aber Hilfe braucht der Bayern-Chef fraglos, und Leitner wird sein Helfer.

Formal der richtige Mann: Leitner ist selbst ein kleiner Star, er zählt zu den Top-Wirtschaftsstrafrechtlern in Deutschland und hält seinen prägnanten Kahlkopf ebenso vor Kameras, wenn es um den Empörungsfall Gustl Mollath geht, wie er sich als Ausschussvorsitzender des Deutschen Anwaltvereins ziseliert zu rechtspolitischen Themen vernehmen lässt. In Sachen Selbstbewusstsein wird es der frühere Berufsdiplomat mit seinem neuen Mandanten aufnehmen können, zählt er sich doch selbst zu den „hoch angesehenen“ Exemplaren seiner Gattung.

Freilich ist offen, ob die Steuerstrafsache Hoeneß geeignet ist, dieses Ansehen zu steigern. Medienberichten zufolge hatte sich der Angeschuldigte in einen Wettlauf gegen die Zeit begeben, als er unter Hochdruck und angeblicher Hinzuziehung fachlichen Rats seine Selbstanzeige formulierte. Weniger als sein Gewissen könnten ihn dabei die Recherchen eines Reporters getrieben haben, die in seiner Schweizer Spielgeldbank ruchbar geworden sein sollen. Sollten die Ermittlungen dergleichen bestätigt haben, wird es eng für Leitners Schützling. Denn den Wert einer Selbstanzeige macht es gerade aus, dass sie freiwillig erstattet wurde.

Kommt es zur Verhandlung, wird dem Verteidiger Originelles dazu einfallen. Auch wenn das Gericht ihm nichts davon abkauft, kann anwaltliche Qualität noch vieles entscheiden. Dann werden wir Hoeneß als Wohltäter der Menschheit kennenlernen, dessen milde Gaben an Gott und die Welt mögliche Steuerverfehlungen schlicht vergessen lassen müssen. Wer weiß, am Ende steht Hoeneß noch als Opfer da. Ein guter Anwalt schafft das. Jost Müller-Neuhof

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