Porträt : „Wir erhalten kaum Unterstützung aus den westlichen Ländern“

Einst studierte der Syrer Salim Idriss Elektrotechnik in der DDR. Heute befehligt er etwa 150.000 oppositionelle syrische Kämpfer. In Brüssel forderte er mehr Hilfe von den Europäern - vor allem von Deutschland.

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Salim Idriss, Chef der Freien Syrischen Armee.
Salim Idriss, Chef der Freien Syrischen Armee.Foto: dpa

Er ist der Mann, der Baschar al Assad besiegen und das Leid in seinem Land beenden soll. Salim Idriss ist Chef der Freien Syrischen Armee, die etwa 150 000 mehr oder weniger loyale Männer unter Waffen und 200 000 weitere in der Hinterhand hat, wenn es nur etwas gäbe womit sie kämpfen könnten. Im Dezember wurde er bei einem Treffen verschiedener Gruppen innerhalb des aufständischen Lagers zu deren Anführer gewählt. Es war der Westen, der gefordert hatte, die Opposition müsse sich zusammentun, damit man sie unterstützen könne. Idriss ist die Antwort darauf.

Für seinen Zorn darüber, dass seither so wenig passiert ist, entschuldigt der 55-Jährige sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt – im Europaparlament von Brüssel. „Verzeihen Sie, dass ich das sagte“, hebt Salim Idriss an, „aber aus den westlichen Ländern erhalten wir kaum Unterstützung. Uns ist sehr viel versprochen, aber sehr wenig davon gegeben worden.“ Es geht um Waffen, mit deren Hilfe das Regime innerhalb eines Monats besiegt wäre, wie der General prophezeit. Die Lieferung von Kriegsgerät scheitert unter anderem am EU-Waffenembargo gegen Syrien. Nicht zuletzt die Bundesregierung lehnt dessen Aufhebung ab.

Die Haltung Deutschlands schmerzt Idriss besonders. Als junger Soldat, der er geworden war, um der Armut seines Dorfes zu entfliehen, kam er 1984 nach Dresden. Als Teil der militärischen Kooperation zwischen der DDR und Syrien absolvierte er eine Ausbildung zum Elektroingenieur. Die herrliche Umgebung ist ihm in Erinnerung geblieben und natürlich die Zeit des Mauerfalls, die er an der Elbe miterlebt hat. 1990 schloss er das Studium mit dem Doktortitel ab und kehrte nach Syrien zurück. Die schönen Erinnerungen aber werden heute überlagert. Salim Idriss spürt Desinteresse und Ignoranz: „Zurzeit gibt es keinerlei Zusammenarbeit oder Kontakt mit deutschen Kollegen“, sagt er, „ich hoffe sehr, dass Deutschland noch eine größere Rolle bei der Unterstützung der syrischen Revolution spielen wird.“

Salim Idriss war nicht von Anfang an Teil davon. Stattdessen lehrte er als Professor an der Militärakademie nahe Aleppo. Im Mai vergangenen Jahres griff die syrische Luftwaffe sein Dorf an – mehrere Menschen starben. „Schauen Sie auf Google Earth nach, es ist völlig zerstört worden.“ Zerstört war auch das letzte Zutrauen in die syrische Regierung. Seither kämpft Salim Idriss dafür, sie zu stürzen.Einst

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