PORTRÄT WOLFGANG NIERSBACH DFB-CHEF: : „Das kann nicht der Anspruch des DFB sein“

Stefan Osterhaus
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Im Grunde ist Wolfgang Niersbach ein einflussreicher Mann. Er steht dem Deutschen Fußballbund (DFB) vor, dem größten Sportfachverband der Welt. Mehr als sechs Millionen Mitglieder hat der DFB, und es wirkt häufig so, als sei der DFB so etwas wie ein Staat im Staat, denn Stimmen aus dem Fußball werden nur selten überhört – und manchmal auch ernster genommen, als es ihnen gut tut.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Wolfgang Niersbach im Amt. Er wurde einstimmig gewählt, und bisher zeichnet er sich vor allem durch sein sehr diskretes Auftreten aus. Niersbach, 62, der zuvor als Generalsekretär im Hintergrund die Geschäfte leitete, ist niemand, der die große Rede liebt, keiner, der bei Treffen mit Politikern regelrecht aufblüht. Für einen Verbandspräsidenten wirkt er beinahe uneitel, womit er sich deutlich von seinem Vorgänger Theo Zwanziger unterscheidet. Kritiker werfen Niersbach vor, dass er heikle Themen wie Fan-Krawalle elegant umdribbelt, doch auch im Alltag ist er ein zurückhaltender Mann: Am Freitag wurde ein neuer U21-Trainer ernannt: Horst Hrubesch übernimmt das Team, nachdem Vorgänger Rainer Adrion bei der EM in Israel in der Vorrunde scheiterte. In Israel hatte sich Niersbach noch zum Vertrag mit Adrion bekannt – nun schwieg er, obwohl es seine erste Personalentscheidung ist, in der es um deutlich mehr als das sportliches Tagesgeschäft geht. Nur zum enttäuschenden Abschneiden äußerte er sich vor einigen Tagen: „Das kann, darf und wird nicht der Anspruch des DFB sein.“

Als Niersbach antrat, verriet er wenig über seine Absichten als Präsident. Klar war nur: Es ging ihm vor allem um die traditionellen Stärken des DFB – und dazu zählt vor allem die Nationalmannschaft. Die aber hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr vom DFB wegbewegt, sie ist zu einem Satelliten geworden. Schon als Generalsekretär soll Niersbach dieses hohe Maß an Autonomie nicht sonderlich gut gefallen haben, denn früher einmal galt das Nationalteam als Hoheitsgebiet des DFB-Generals. Dass der Verband nun den erfolgreichen Nachwuchstrainer Hrubesch als Nachfolger des glanzlosen Adrion beruft, ist auch ein Wink an den Bundestrainer: Adrion gilt als ein Vertrauter von Joachim Löw, Hrubesch dagegen ist ein loyaler DFB-Mann. Dass Niersbach die Entscheidung nicht kommentierte, fügt sich ins Bild. Auch wenn er nun in der der ersten Reihe steht – er bleibt doch immer ein Mann, der im Hintergrund agiert. Stefan Osterhaus

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