Porträt : „Zeig’ mir die Zahlen“

Der einstige Rivale Guillaume de Posch, 53, wechselt in den Vorstand bei der RTL-Group.

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Foto: dpa Foto: picture-alliance/ dpa
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Wenn sich Europas größte private Fernsehsendergruppe RTL einen neuen Mann in den Vorstand holt, ist das ohnehin interessant. Wenn es sich dabei um einen ehemals großen Rivalen, um Guillaume de Posch, handelt, bekommt die Personalie zwei Ausrufezeichen. Die RTL Group (RTL, Vox, n-tv) und die ProSiebenSat1 Media AG sind die zwei großen Wettbewerber auf dem deutschen privaten TV-Markt. Nun wird de Posch, Ex-Vorstandschef bei ProSiebenSat1, ab Januar Chief Operating Officer der RTL Group in Luxemburg. Der 53-jährige Belgier kommt auf Wunsch von RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler und soll sich um die Radio- und Fernsehsender in den Niederlanden und Belgien sowie die Radio-Beteiligungen in Frankreich kümmern. De Posch bringe eine „einmalige Kenntnis über alle Aspekte des internationalen Fernsehgeschäfts und ein großes Verständnis für die technologischen Herausforderungen in der digitalen Welt“ mit, wird Zeiler zitiert. Und: Seine Position sei eine „Schlüsselfunktion für die Expansion des Unternehmens“.

Schwer zu sagen, ob man die RTL-Group-Mitarbeiter in den Niederlanden, Belgien oder Frankreich zum neuen Mann an der Spitze beglückwünschen sollte. De Posch gilt als „leidenschaftlicher Kostensenker“ und ist hierzulande als ProSiebenSat1-Vorstandsvorsitzender von 2004 bis 2008 mit seiner Maßnahme im Gedächtnis geblieben, den Bällchensender von vermeintlich zu teuren Newsformaten zu trennen. Er leitete ein, was Nachfolger Thomas Ebeling vollendete: den Verkauf der Nachrichtensparte in Form von N24. Davor gab es bei Sat1 Entlassungen und Kürzungen im Programmetat. „Zeig’ mir die Zahlen“ gilt als einer von de Poschs Lieblingssätzen. Auch die prompte Übernahme der Übertragungsrechte der Tour-de- France 2007, ein Quotendesaster, geht auf sein Konto.

RTL-Chef Zeiler sieht in dem schmächtig wirkenden Manager, der Betriebswirtschaft studierte, als Unternehmensberater und in den 90er Jahren auch schon bei der luxemburgischen CLT (heute RTL Group) arbeitete, nicht nur eine Ergänzung des bisher dreiköpfigen Führungsgremiums, sondern womöglich einen geeigneten Nachfolger – auch wenn sich der 56-jährige Österreicher noch nicht amtsmüde zeigt. Der RTL-Chef, Herr über 41 Fernsehsender und 34 Radiostationen in zehn Ländern, und de Posch kennen und verstehen einander gut, heißt es jedenfalls. Markus Ehrenberg

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