"Pussy Riot"-Prozess : Putins Angst vorm eigenen Volk

Drei junge Frauen stehen in Russland vor Gericht, zwei davon sind Mütter. Dass es um einen politischen Prozess geht, steht außer Frage. Der Fall der Punkband "Pussy Riot" demaskiert das Regime.

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Die Bandmitglieder der Punk-Gruppe "Pussy Riot" warten am 17. August 2012 auf ihr Urteil.Weitere Bilder anzeigen
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17.08.2012 12:21Die Bandmitglieder der Punk-Gruppe "Pussy Riot" warten am 17. August 2012 auf ihr Urteil.

Es war ein bewusster Tabubruch: Acht junge russische Frauen in selbst gehäkelten Sturmmasken singen an einem symbolischen Ort ein Protestlied gegen Wladimir Putin. Nicht viele Russen kannten bis dahin die Punkrockband „Pussy Riot“. Damals, im Januar, traten sie auf dem Roten Platz auf. Doch ihr Protestlied verhallte. Sie wurden nur vorübergehend festgenommen.

Wenig später reagierte der Staat mit aller Härte auf einen anderen Auftritt der Band: Weil sie in der Christ-Erlöser-Kathedrale in einem Punk-Gebet die Mutter Gottes darum baten, Putin zu verjagen, müssen sich drei Bandmitglieder jetzt vor Gericht verantworten. Dabei ist Blasphemie in Russland gar nicht strafbar, den Frauen wird deshalb „Rowdytum“ vorgeworfen. Ihnen drohen lange Haftstrafen. Dass es ein politischer Prozess ist, steht außer Frage – nicht nur, weil dasselbe Gericht über „Pussy Riot“ verhandelt, das schon den Oligarchen und Putin-Kritiker Michail Chodorkowski abgeurteilt hat.

Der Prozess gegen „Pussy Riot“ zeigt exemplarisch die Nervosität der russischen Staatsmacht nach den Großdemonstrationen rund um die Wahlen – und deren Unfähigkeit, darauf eine angemessene Antwort zu finden. Noch ist Putin keine hundert Tage im Amt, da hat er bereits mehr als deutlich gemacht, wie er auf die Proteste reagiert. In dieser kurzen Zeit hat er die Geldbußen für nicht genehmigte Demonstrationen so drastisch erhöhen lassen, dass sich kaum jemand die Teilnahme noch leisten kann.

Video: Sieben Jahre Haft für Anti-Putin-Punk-Gebet?

Nichtregierungsorganisationen, die auch aus dem Ausland Geld erhalten, werden als „ausländische Agenten“ gebrandmarkt. Und von den Behörden als gefährlich eingestufte Webseiten sollen künftig gesperrt werden.

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