Rainer und wir : Warum sich deutsche Männer über die Sexismusdebatte freuen

Ist die Sexismus-Debatte um Brüderle nur der falsche Anlass für eine richtige Debatte? So einfach ist das nicht, findet Malte Lehming und ist hoffnungsvoll: "In einem Land, in dem Rainer Brüderle als Macho gilt, ist für den Mann noch nicht alles verloren."

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Eine anrüchige Aussage, ein Jahr zurückliegend, lässt FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle schlecht aus der Wäsche gucken - und löst im Internet eine riesige Sexismus-Debatte aus. Foto: dpa
Eine anrüchige Aussage, ein Jahr zurückliegend, lässt FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle schlecht aus der Wäsche gucken - und...Foto: dpa

Das deutsche Mann sitzt auf dem Sofa und lacht sich ins Fäustchen. Jenes Neutrum, das im Sommer weiße Socken in Sandalen trägt, das sich mit PSA-Werten (Prostata) auskennt und über die Läusebehandlung bei Kleinkindern fachsimpeln kann („nimm Nyda, alles andere ist Quatsch“), das bei der Lehmann-Pleite mehr Geld verlor, als es durch den Bausparvertrag ausbezahlt bekommt, das übergewichtig ist und acht Jahre früher stirbt als die Frau, das sich von der Ayurveda-Therapie direkt in die Hände eines Coaches begibt, diesem Neutrum ist gerade ein Glück widerfahren, auf das es nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Denn Deutschland hat eine Sexismusdebatte. In ihrem Zentrum steht das Verhalten des 67-jährigen FDP-Politikers Rainer Brüderle. Er soll sich vor einem Jahr gegen Mitternacht in einer Hotelbar gegenüber einer Reporterin anzüglich geäußert haben, was diese als übergriffig empfand. Sexismus gibt es in jedem Land.

Das Machotum ist keine deutsche Besonderheit. Man schaue nur nach Russland (Vladimir Putin), Frankreich (Dominique Strauss-Kahn), USA (Bill Clinton, Arnold Schwarzenegger), Italien (Silvio Berlusconi), Israel (das halbe Kabinett). Allerdings fällt auf, dass ein Typ wie Brüderle, der pfälzische „Plapper-Liberale“ („Die Zeit“) und ehemalige Minister für Weinbau, dem klassischen Macho-Image so gar nicht entspricht. In den Augen eines Putins oder Schwarzeneggers dürfte Brüderle nicht mal als Mann durchgehen. Es wäre interessant zu erfahren, was ein Russe, Italiener oder Franzose von der deutschen Sexismusdebatte hält. Ein falscher Anlass also, aber die richtige Debatte? Nein, so einfach ist es nicht.

Reaktionen auf Sexismus-Vorwürfe gegen Brüderle
Die Stern-Redakteurin Laura Himmelreich beschuldigt Rainer Brüderle, seit Montag Spitzendkandidat der FDP, ihr zu nah gekommen zu sein. Am Rande des Dreikönigstreffen der FDP vor einem Jahr soll er sexuelle Anspielungen gemacht haben. Rainer Brüderle hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Einige andere aber schon... Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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24.01.2013 17:26Die Stern-Redakteurin Laura Himmelreich beschuldigt Rainer Brüderle, seit Montag Spitzendkandidat der FDP, ihr zu nah gekommen zu...

Bis zu Beginn dieser Debatte war das größte Problem des deutschen Mannes ja nicht etwa, für zu männlich, draufgängerisch und casanovamäßig gehalten zu werden, sondern im Gegenteil: „Wenn der kleine Freund nicht mitspielt“, schrieb der „Stern“ und gab Tipps, wie der kleine Freund auch ohne Viagra wieder zum großen Freund wird. Mittels Vakuum-Erektionshilfen etwa. „Sie stülpen einen Hohlkörper über den Penis, aus dem Sie die Luft herauspumpen. Durch den Unterdruck strömt Blut in den Penis, er wird steif.“ Mit solchen Geschichten wurde versucht, dem deutschen Mann die Trübsal zu nehmen.

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