Rassismus-Vorwurf gegen Steinbrück-Sprecher : Rolf Kleine verheddert sich bei Facebook

Rolf Kleine soll als Sprecher Peer Steinbrücks Wahlkampagne aufpolieren. Doch jetzt muss er sich in eigener Sache verteidigen: Er postete bei Facebook ein Bild und steht nun unter Rassimusverdacht. Kleine sagt über sich, er sei nicht "computeraffin".

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Mal ehrlich: Wer ist Rolf Kleine? Bewirbt er sich zur Bundestagswahl um ein politisches Mandat? Steht er auf irgendeiner Kandidatenliste? Zweimal: Nein. Warum also interessiert man sich dafür, was Rolf Kleine auf Facebook anstellt und wofür er als Alltagsrassist beschimpft wird?

Sehr einfach: Es geht nicht um ihn. Es geht um Peer Steinbrück, der seit Montag sein Chef ist. Der nämlich will in gut 100 Tagen Bundeskanzler werden, und weil dieser Job nun mal etwas mit Vertrauen in die Person zu tun hat, möchte man wissen, wem so ein Kandidat Vertrauen schenkt. Angela Merkel stünde in den Umfragen wahrscheinlich mies da, erhöbe sie plötzlich Stefan Raab zum Regierungssprecher. Also interessiert es die Öffentlichkeit, wenn Rolf Kleine auf Facebook nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar das Gesicht eines vietnamesischen Generals mit der Bemerkung postet, die FDP sei „wieder da“. Denn der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler ist gebürtiger Vietnamese und jetzt sieht es so aus, als ob der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, mit einem verkappten Rassisten Wahlkampf machen will. Auch, wenn Ex-„Bild“-Redakteur Rolf Kleine bisher weder mit Araberwitzen noch sonst wie rassistisch aufgefallen ist. Es ist kein guter Neustart für Steinbrück, der in Personalfragen kein glückliches Händchen zu haben scheint.

Zumal die Sache weitergeht. Kleine nämlich ist als Medienprofi von Steinbrück ins Team geholt worden, damit dessen Kandidatur im Endspurt zündet. Doch was tut der Profi Kleine, als er ertappt wird? Zuerst einmal löscht er sein gesamtes Facebook-Profil. Das ist so, als hätte Thomas de Maizière vor einer Woche dem Verteidigungsausschuss erklärt, seine Mitarbeiter hätten sämtliche Akten zum „Euro Hawk“ in den Reißwolf gesteckt. Man ahnt immer, wenn einer Dokumente vernichtet, dass an dem bösen Verdacht was dran war. Beim Verteidigungsminister genauso wie beim Steinbrück-Sprecher. Fehler Nummer zwei: Kleine behauptet, er habe nicht gewusst, was er tat, er habe geglaubt, das Foto nur seinen Facebook-Freunden zugänglich gemacht zu haben. Einem Medienprofi wie Kleine glaubt das nur, wer auch de Maizière glaubt, er habe vom Drohnen-Desaster nichts gewusst. Für Steinbrück indes stellt sich die Frage: Kann einer SPD-Oberkommunikator werden, der noch nicht mal mit Facebook umgehen kann? Antje Sirleschtov